Aubameyang tanzt tektonik – sohn francesco verlangte tiktok-siegestanz
90 Minuten tobte er, dann tanzte er. Pierre-Emerick Aubameyang schoss Olympique Marseille mit zwei späten Treffern zum 2:1-Sieg gegen Lyon und zog im Stadion von Hamburg genau jene Tektonik-Moves, die seine Generation 2010 durch die Clubs peitschte.
Der jubel kam per whatsapp
„Mio figlio mi ha chiesto di ballare! È per un trend, lo faccio contento!“ lachte der 34-Jährige nach Abpfiff in die Kamera von Ligue 1+. Francesco, sein ältester Sohn, hatte den Stürmer am Vorabend via TikTok-Challenge gedrängt, endlich wieder einen eigenen Siegestanz zu kreieren. Die Antwort folgte prompt – und traf mitten ins Herz des Gegners.
81. Minute: Kopfball nach Flanke von Paixao, 90+1: Sprint über halbrechts, Abschluss nach Nwaneri-Steilpass. Beide Male rissen die Kapitänsarmbänder hoch, beide Male folgte der Hüftwirbel, der Millionen Kids bewegt.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit Aubameyang Anfang Februar ins Trainingslager nach Aubagne zog, hat Marseille neun Punkte geholt, ihn selbst kosten die Treffer inzwischen 0,63 pro 90 Minuten – nur Kylian Mbappé liegt in der Rückrunde vorne. Der Kurz-Retreat war Idee von Neu-Coach Habib Beye, der Spieler vor dem Lyon-Gipfel für 48 Stunden in die Provence schickte. „Wir haben die Zutaten geholt, um das Spiel zu kochen“, sagte Aubameyang und klang dabei eher wie ein Koch als wie ein Torjäger.

Maske, meme, marseille – wie ein social-media-universum fankultur neu schreibt
Früher trug er Black-Panther-Masken, schwenkte Spider-Man-Köpfe oder ließ den Running Man mit Henrikh Mkhitaryan über den Rasen wirbeln. Die Botschaft war klar: Ich bin mehr als ein Tor, ich bin Unterhaltung. Heute ist der Trend nicht mehr Selbstinszenierung, sondern Familienbindung. Die TikTok-Generation will Authentizität statt Ablenkung, und Aubameyang liefert sie live.
Die Konsequenz: Binnen zwei Stunden kletterte das Hashtag #AubaTektonik auf Platz eins der französischen Trends, Lyon-Fans grollten, Sponsoren jubelten. Marseille verkaufte nach Spielschluss 3.400 Retro-Trikots mit der Nummer 9 – so viel wie an keinem Tag seit Weihnachten.
Und der Tabellengewinn? Dank des Last-Minute-Sieges trennen Olympique nur noch zwei Punkte von Lyon auf Rang drei. Die Champions-League-Rückkehr rückt in Reichweite, das Stadion wird wieder zur Boom-Box. Für Aubameyang ist das kein Zufall: „Wenn du tanzt, spürst du den Beat – und der Beat gibt dir Energie.“
Am kommenden Sonntag gastiert Marseille in Brest. Wenn er trifft, wird Francesco wieder am Rand stehen, Handy in der Hand, bereit für den nächsten Schritt. Denn wer seine Kinder glücklich macht, der trifft eben zweimal – einmal ins Netz, einmal ins Herz der Masse. Und manchmal reicht dafür ein vergessener Tanz aus dem Jahr 2010.
