Atlético-national-profi droht haft: whatsapp-chats enthüllen angebliche gruppenvergewaltigung
Ein vermeintlicher One-Night-Stand in Rionegro wird zum Erdbeben für Kolumbiens Rekordmeister. Atlético-National-Spieler Nicolás Rodríguez und ein Kumpel namens Cristian stehen unter Verdacht, eine 22-Jährige betäubt und anschließend gemeinsam vergewaltigt zu haben. Die Beweise: eigene Nachrichten des Fußballprofis.
„Cristian und ich. mit dir“ – das angebot, das sie ablehnte
Die Chat-Historie beginnt harmlos, wird aber rasch obszön. „Nosotros dos con usted“, schreibt Rodríguez – wir beide mit dir. Die Antwort kommt sofort: „Nein … ich bin nicht so.“ Dennoch soll es später genau dazu gekommen sein. Die Frau erklärte der Staatsanwaltschaft, sie habe nach wenigen Drinks ein „Blackout-Gefühl“ gehabt, sei kaum noch stehen können und anschließend in ein nahegelegenes Haus geschleppt worden. Dort habe sie „nicht zugestimmt, aber auch nicht wehren können“.
Am nächsten Morgen versucht der 25-Jährige laut Protokoll, die Lage herunterzuspielen: „Sea seria. Nadie la obligó a nada.“ Sei ernsthaft, niemand habe Sie gezwungen. Die Antwort ist ein K.o.-Satz: „Ich war nicht bei Bewusstsein. Ich weiß, was passiert ist, und ich wollte es nicht.“
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Atlético nacional reagiert mit schweigen – verband schon
Der Klub, der kolumbianische Serienmeister mit 17 Ligatiteln, hält sich bislang bedeckt. Intern ist Rodríguez zwar vom Mannschaftstraining suspendiert, ein offizielles Statement steht aus. Die Liga Dimayor indes setzte den Spieler bereits auf die „Verdachts-Liste“ – ein formaler Schritt, der Vereine zwingt, Profis bei laufenden Ermittlungen für bis zu sechs Monate außer Dienst zu stellen.
Die medizinisch-rechtlichen Untersuchungen der Staatsanwaltschaft laufen, erste toxikologische Befunde sollen in 72 Stunden vorliegen. Rechtsprofessoren in Medellín verweisen auf Paragraf 205 des kolumbianischen Strafgesetzbuches: acceso carnal violento agravado – Vergewaltigung mit mehreren Tätern – kann zwischen 12 und 20 Jahren Haft bedeuten, wenn Nachweise für K.-o.-Tropfen erbracht werden.
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Fall nr. 3 in 18 monaten – die marke „fußball“ ramponiert
Bereits im Frühjahr 2022 hatte National-Torhüter David Ospina einen Vergleich außergerichtlich zahlen müssen, nachdem eine Studentin ihn wegen sexueller Belästigung angezeigt hatte. Auch damals tauchten Chatverläufe auf. Für Klaus Schäfer, Analyst bei TSV Pelkum Sportwelt, ist die Kette kein Zufall: „Kolumbianische Klubs investieren Millionen in Fitness, Daten und Video – aber null in Empathie-Training. Wenn Spieler glauben, Drogen und Gruppensex seien Teil des Bonuspakets, ist der sportliche Erfolg nur noch Schaufensterpuppe.“
Die 22-Jährige hat inzwischen Privatdetektiven ihre Handynummer geändert und sich in ein Schutzprogramm der Stadtverwaltung Rionegro eingewiesen. Ihr Anwalt kündigte an, zusätzlich zur Strafanzeige eine zivilrechtliche Klage auf Schmerzensgeld einzureichen – wirtschaftlich zugeschnitten auf die Gehaltsobergrenze des Fußballmarktes. Die Botschaft: Profis mögen auf dem Platz Stars sein, vor Gericht zählt nur das Gesetz.
