Athletic club bleibt ohne trainer, weil die wahlmaschine blockiert

40 Tage Mindestfrist, 20 bei Ein-Mann-Show – und trotzdem steht Athletic Bilbao mit leeren Händen da. Jon Uriarte hat die Wahluhr noch nicht gestartet, Ernesto Valverde seinen Abschied schon verkündet. Wer jetzt einen Coach verpflichtet, ohne Präsident zu sein, muss sich das in der Mitgliederversammlung live erklären.

Die Statuten geben kein Verbot her, nur ein politisches Szenario: Ein designierter Trainer ohne designierten Präsidenten wirkt wie eine Ehe ohne Trauschein – legal, aber kaum durchsetzbar. Denn die Mitglieder wählen nicht nur einen Vorsitzenden, sie wählen eine Fußball-Idee. Und die trägt in Bilbao seit Jahrzehnten einen Namen: den des Coaches.

Warum der kandidatenstau den taktplan durcheinanderwirft

Warum der kandidatenstau den taktplan durcheinanderwirft

Uriarte, der favorisierte Herausforderer, wartet mit seiner Bewerbung ab, bis er das Protokoll seiner Pressekonferenz nutzen kann. Dahinter steckt Taktik: Je länger er wartet, desto mehr Druck baut sich auf den amtierenden Aitor Elizegi auf, der seinerseits keine neue Sportstruktur aufstellen darf, ohne seine eigene Wiederwahl abzusichern. Das Schachbrett steht still, der Ball rollt trotzdem.

Valverdes Rückzug katapultiert die Personalie „Entrenador“ auf Platz eins der Wunschliste. Doch wer handelt schon Verträge, wenn er nicht weiß, ob er sie am 1. Juli noch unterschreiben darf? Die Lösung vieler Klubs lautet „Interimslösung“. Athletic kann sich das nicht leisten. Die Fans erinnern sich an die Josu Uribe-Ära 1996: ein halbes Jahr Interim, ein Jahr Mittelmaß, drei Jahre Reconstruction. Die Vorstandsetage fürchtet ein Déjà-vu.

Die Deadline tickt leise. Mit jedem Tag, den die Wahlversammlung aufschiebt, rutscht die Planung für die Vorbereitung, die Transfers, die Testspielplanung. Der Kalender zeigt 24. Mai. Präsidiumsamtlich verbleiben maximal 36 Tage bis zur Urnenpflicht. Die sportliche Leere dauert schon jetzt länger als eine Sommertransferperiode. Wer Mitte Juni keinen Namen präsentiert, verliert vor Saisonstart schon die erste Halbzeit.

Die Wahlordnung kennt nur eine echte Beschleunigungsoption: Kandidatenerklärung bis 20 Tage vor Termin. Keine Gegenkandidatur, keine Debatte, nur eine einzige Mitgliederversammlung zur Proklamation. Uriarte aber spielt auf Zeit, weil seine internen Umfragen eine knappe Mehrheit andeuten – keine 50 plus eins, sondern 50 plus Zitterpartie. Also wartet er, Elizegi wartet, der Verein wartet. Und der neue Trainer? Der existiert nur auf Papier, unterschrieben von niemandem.