Ashley cole übernimmt cesena: premier-league-ikone springt ins kalte wasser der serie b

Mitten in der Nacht, nach einem 2:2, das mehr Adrenalin als Punkte brachte, zogen die US-Eigentümer von Cesena den Stecker. Michele Mignoni ist Geschichte. Nachfolger: Ashley Cole, 107 Länderspiele, drei Premier-League-Titel, null Trainererfahrung als Chef. Die Meldung schlug ein wie ein Kopfball im Strafraum.

Vom linken flügel ins feuer

Der 43-Jährige war erst beim 0:1 in Frosinone auf der Tribüne, um sich die Krisenmannschaft anzuschauen. 24 Stunden später sitzt er auf dem heißen Stuhl. Cole war Assistenztrainer bei der englischen U21 und half Frank Lampard, seinen ehemaligen Kumpel aus Stamford Bridge, beim abstiegsbedrohten Everton. Taktikbretter kannte er, doch die alleinige Verantwortung ist neu. „Er hat nie den Sprung gewagt, weil er wusste, wie rau die zweite Reihe ist“, sagt ein Insider aus dem Londoner Umfeld. „Cesena hat ihm keine Zeit zum Nachdenken gelassen.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit sieben Spielen kein Sieg, 16 Gegentore in den letzten fünf Partien, Abstand zum Abstiegsplatz nur zwei Zähler. Die US-Investmentgruppe 777 Partners will keine weiteren Ausreden hören. Für sie zählt allein der Brand, den ein prominenter Name entfachen kann.

Der plan: kurzfristiger pr-coup oder langfristige marschroute?

Der plan: kurzfristiger pr-coup oder langfristige marschroute?

Am Sonntagvormittag fliegt Cole ein, um am Dienstag in Mantua zu debutieren. Das Spiel fällt ins midweek, wo jeder Punkt doppelt zählt. Sein erster Blick gilt Grigoris Kastanos, dem zyprischen Mittelfeldstratege, der mit sieben Vorlagen die einzige Konstante ist. Cole kennt ihn aus gemeinsamen England-Länderspielzeiten. „Er wird versuchen, die Defensive zu stabilisieren, ohne die offensive Impulse zu ersticken“, erklärt Serie-B-Analyst Luca Cattaneo. „Das ist ein Spagat, der selbst erfahrene Coaches zerbröselt.“

Die Fans reagieren gespalten. Die Kurve von Cesena twittert ein Foto von Cole im Roma-Trikot mit der Überschrift „Welcome Gladiator“, während die Facebook-Gruppe „Bianconeri Authentici“ fragt: „Soll ein Ex-Linksverteidiger unsere Mittelstürmer retten?“ Die Antwort kommt am Dienstag um 20:30 Uhr, wenn der Ball in Mantua rollt.

Cole selbst schwieg bislang. Sein letzter öffentlicher Satz stammt aus einem Podcast im Januar: „Ich will kein Übungsleiter sein, der nur Klatsch bringt. Ich will gewinnen.“ Cesena gibt ihm jetzt 270 Minuten, um Worte in Punkte zu verwandeln. Die Uhr läuft.