Anna-lena forster verpasst gold-dreifach – silber schmeckt nach depression und überwindung
46 Hundertstel. So viel fehlten Anna-Lena Forster am Mittwoch im Tofane Alpine Skiing Centre, um ihre dritte Super-Kombinations-Goldmedaille einzufahren. Stattdessen holt die Monoskifahrerin Silber und beweist: Sie ist zurück – und wie.
Super-g-schlafmütziger start, slalom-attacke
2,82 Sekunden Rückstand nach dem ersten Lauf. Für Skifans klingt das nach K.o., für Forster nach Startaufstellung. Die Radolfzellerin fuhr im Super-G „auf Sicherheit“, wie sie später zugab, und ließ der Spanierin Audrey Pascual Seco davonziehen. Doch im Slalom drehte sie auf, fraß fast zwei Sekunden auf, blieb aber an der 46-Hundertstel-Schallmauer hängen. Silber in 2:11,68 Minuten – geschafft, aber nicht gefeiert.
Die Reaktion der 30-Jährigen? „Ich weiß, es funktioniert“, sagt sie und lächelt trotzdem. Das klingt nach Selbstvertrauen, nach vier Jahren, in denen sie zweimal Gold holte, sich aber auch mit Depressionen und Kreuzbandrissen herumärgerte.

Depression im gepäck, silber als medizin
Was kaum jemand sah: Zwischen Pyeongchang 2018 und Cortina 2026 lag eine Auszeit, ausgelöst von Depressionen. „Ich habe mir echt schwer getan, das abzuhaken“, sagt Forster über den vorzeitigen Ausfall im Super-G von Montag. Silber ist jetzt ihr Antidepressivum.
Das Podium komplettiert Sitong Liu aus China (+3,31), während die stehende Klasse ihre eigene Dramatik liefert: Andrea Rothfuss landet nach ihrer Comeback-Depression auf Platz sechs, Anna-Maria Rieder wird Elfte. Die Russin Warwara Worontschichina, gestern noch Super-G-Gold, fliegt heute raus. Im Slalom zählt eben nur Präzision – und manchmal auch Therapie.
Am Donnerstag geht’s mit dem Riesenslalom weiter. Forster hat ihr Silber versiegelt, ihren Selbstwert wieder ange-schnallt. Die Uhr wird wieder ticken – und sie wird Gas geben. Versprochen.
