Anja wicker schlägt zu und nimmt silber mit – das siebte paralympics-metall

Anja Wicker hat am Sonntag in Italien die letzte Kraftreserve mobilisiert und über 20 Kilometer Silber geholt. Die 36-Jährige aus Winterberg fuhr mit dem Sit-Ski 46:01,2 Minuten, nur 31 Sekunden hinter der übermächtigen Norwegerin Birgit Skarstein. Damit schraubt sie ihre Paralympics-Bilanz auf stolze sieben Medaillen – vier davon hat sie allein aus dem Apennin mit nach Hause genommen.

Der lange schlussspurt, der alles entschied

Der lange schlussspurt, der alles entschied

Bei Minusgraden und flachem Licht auf der 2,5-Kilometer-Runde in Pragelato hatte Wicker bereits nach dem ersten Drittel erkannt: „Heute wird geduldig gejagt.“ Sie ließ Skarstein ziehen, schob sich aber vor der Französin Emilie Atitallah auf Rang zwei. Mit jedem Stöckschlag verringerte sie den Rückstand, doch die Norwegin blieb außer Reichweite. Die Bronze-Gewinnerin aus Frankreich lag am Ende 1:15 Minuten zurück – eine halbe Ewigheit im Sit-Ski.

Die Silber-Laufmedaille kommt nur zwei Tage nach ihrer Bronzefeier im Biathlon. Dort hatte Wicker im 10-km-Sprint trotz zwei Schießfehlern noch den dritten Platz gerettet. „Langlauf ist meine erste Liebe, Biathlon die zweite“, sagte sie nach der Siegerehrung. Ihre Stimme klang heiser vom kalten Wind, aber das Lächeln blieb starr auf den Lippen.

Die Zahlen sprechen für sich: seit Pyeongchang 2018 hat Wicker bei jedem großen Start aufs Podest gefahren. Dreimal Gold, viermal Silber, keine einzige Medaille aus Bronze – ein Quäntchen Glück fehlt ihr offenbar. „Ich sammle lieber Edelmetall als Erinnerungen“, scherzte sie vor Journalisten und strich sich dabei eine verschneite Locke unter der Skibrille hervor.

Mit Blick auf die Heim-Paralympics 2026 in Milano und Cortina ist klar: Wicker wird wieder dabei sein. Ihr Training beginnt im Mai auf der Sommerloipe in Oberhof – und sie hat bereits angekündigt, die Skarstein-Jagd fortzusetzen. Die Norwegerin mag schneller sein, sagt Wicker, „aber ich bin hartnäckiger“. Nach sieben Medaillen traut ihr das mittlerweile jeder zu.