Angst vor dem älterwerden: fast jeder zweite in italien befürchtet den verlust von attraktivität und nützlichkeit
Rom – Die italienische Gesellschaft scheint von einer tiefgreifenden Angst vor dem Älterwerden geplagt zu sein. Eine aktuelle Studie des EngageMinds Hub hat ergeben, dass fast die Hälfte der Bevölkerung befürchtet, mit dem Alter an Attraktivität und sozialer Relevanz zu verlieren. Diese Entwicklung, die von Experten als „Dorian Gray-Syndrom“ bezeichnet wird, wirft ein Schlaglicht auf die gesellschaftlichen Erwartungen und die zunehmende Bedeutung von Jugendlichkeit und Leistung in der modernen Welt.

Die wurzeln der angst: mehr als nur körperlicher verfall
Die Studie, durchgeführt vom Zentrum für Konsum- und Gesundheitspsychologie der Universität Cattolica in Cremona, zeigt, dass die Angst vor dem Älterwerden vielfältig ist. Es geht nicht nur um den körperlichen Verfall und den Verlust der Autonomie, sondern auch um die Sorge, in der Gesellschaft weniger wertgeschätzt zu werden. 51 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer gaben an, Angst zu haben, nach dem Älterwerden nicht mehr als nützlich für die Gesellschaft angesehen zu werden. Ein erschreckender Wert, der die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Debatte über die Wertschätzung älterer Menschen unterstreicht.
Besonders junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren äußerten die Befürchtung, ihre Lebensziele nicht erreichen zu können. Die Generation der 35- bis 54-Jährigen hingegen macht sich vor allem Sorgen um ihr Aussehen und die Wahrnehmung ihrer Attraktivität. Diese unterschiedlichen Ängste spiegeln die verschiedenen Lebensphasen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen wider.
Guendalina Graffigna, Leiterin des EngageMinds Hub, erklärt: „Es gibt einen Wandel in der Art und Weise, wie Menschen das Älterwerden interpretieren und erleben. Dennoch bestehen Fragilität im Hinblick auf den Verlust von Anerkennung und sozialer Rolle. Es ist daher entscheidend, eine Kultur der Langlebigkeit zu fördern, die den Beitrag von Menschen in allen Lebensphasen wertschätzt und Bedingungen für Teilhabe, Wohlbefinden und Inklusion schafft.“
Die Studie mahnt zur Reflexion über die gesellschaftlichen Normen und die Notwendigkeit, eine positive Sichtweise auf das Älterwerden zu entwickeln. Denn die Angst vor dem Älterwerden ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Werte und Prioritäten.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Angst vor dem Verlust von Attraktivität und Nützlichkeit ist tief in der italienischen Gesellschaft verwurzelt und erfordert ein Umdenken, um eine inklusive und wertschätzende Gesellschaft für alle Altersgruppen zu schaffen.
