Ancelotti: wm-chaos? 'gewinne nicht im ersten spiel'
Philadelphia – Carlo Ancelotti wirkt unbeeindruckt. Nach dem holprigen WM-Auftakt Brasiliens gegen Marokko, der lediglich ein 1:1-Unentschieden erbrachte und heftige Diskussionen auslöste, hält der erfahrene italienische Coach einen kühlen Kopf. Er betont, dass er sich als Trainer der Selecao fühle, und blickt zuversichtlich auf das entscheidende Gruppenspiel gegen Haiti am Samstag (2.30 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV).
Die erfahrung spricht für sich
„Ich denke, ich habe genug Erfahrung, um mit diesem Druck umzugehen“, erklärte Ancelotti, der bereits zahlreiche Titel in seiner Karriere sammelte, darunter auch die Champions League mit Real Madrid. Das Remis gegen Marokko, das Zweifel an der Startelf und der taktischen Ausrichtung aufkommen ließ, sei „kein gutes Spiel“ gewesen, räumte der Coach ein. „Das Ergebnis war nicht wie erwartet. Ich wurde kritisiert. Ich war ein wenig traurig“, so Ancelotti, der aber betonte: „Man gewinnt die Weltmeisterschaft nicht im ersten Spiel.“
Die Spieler und der Trainer haben die Kritik konstruktiv aufgenommen, versicherte Ancelotti. Ein Faktor, der im ersten Spiel eine Rolle gespielt habe, sei der enorme Druck gewesen, das brasilianische Trikot zu tragen. „Ein guter Start ist wichtig, aber er ist nicht das Wichtigste“, sagte der 64-Jährige am Vorabend des Spiels in Philadelphia. „Wichtiger als perfekt zu sein, ist, dass die Mannschaft Widerstandsfähigkeit mitbringt.“

Mehrere identitäten
Kritik an Ancelotti, wonach er sich noch nicht auf eine Stammelf festgelegt habe, wies er entschieden zurück. „Brasilien hat mehrere verschiedene Identitäten, und ich möchte keine klare Identität für die Mannschaft, weil meine Mannschaft in der Lage sein muss, viele verschiedene Dinge zu tun.“ Anstatt starr an einem System festzuhalten, will Ancelotti die Flexibilität der brasilianischen Mannschaft nutzen, um sich an unterschiedliche Gegner anzupassen. Die Selecao muss gegen Haiti gewinnen, um ihre Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale zu wahren. Die Erwartungen sind hoch, aber Ancelotti scheint bereit zu sein, die Herausforderung anzunehmen – mit der Weisheit eines erfahrenen Trainers und dem Glauben an die Fähigkeiten seiner Mannschaft.
Die Zahlen lügen nicht: Brasilien hat in seinen letzten fünf WM-Gruppenspielen nur einmal nicht gewonnen. Ein Zeichen dafür, dass die Selecao auch nach einem holprigen Start immer noch zu den Top-Favoriten gehört. Doch dieses Mal könnte die Konzentration und der mentale Druck der Schlüssel zum Erfolg sein – eine Lektion, die Brasilien bereits im ersten Spiel gelernt haben könnte.
