Allianz milano fegt aalst weg – challenge-cup-traum lebt vor eigenem publikum

Ein Aufschlag, drei Sätze, ein Statement: Allianz Milano hat im belgischen Aalst die Final-Anschlussphase schon im Hinspiel zerlegt und sich mit 3:0 (18-25, 19-25, 22-25) die goldene Anelace perfekt aufgesetzt. Die Italienerinnen brauchen am Mittwoch im Rückspiel nur noch zwei Gewinnsätze, um die Challenge-Cup-Trophäe zum zweiten Mal in die Lombardei zu holen – und das vor eigener Kulisse.

Kreling lenkt, reggers schlägt – aalst kassiert k.-o.-vorlage

Spielmacherin Lynn Kreling bestimmte das Tempo von der ersten Aufgabe an. Ihr Zuspiel war so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, ihr Blick so kalt wie ein Wintermorgen in München. Die 1,84 Meter große Regisseurin verteilte 34 Bälle, davon 13 zum Punkt – Zahlen, die Aalst-Coach Jef Vansintjan die Faust in die Tasche sinken ließ. „Wir haben Kreling nie unter Druck bekommen“, sagte er nach dem Abpfiff, „und wenn die Gegnerin spielen kann, wird es eng.“

Eng wurde es für die Gastgeberinnen nur in einem Bereich: der Anzeigetafel. Im dritten Satz schlichen sie sich auf 20:22 heran, doch dann zog Außenangreiferin Nika Reggers den Stecker. 11 ihrer 23 Punkte fielen in diesem Abschnitt – ein Schwung, der die 1.200 Zuschauer in der Topsporthal Vlaanderen verstummen ließ. Gegen ihren Diagonalangriff hatten die Belgierinnen nur ein Konzept: hoffen.

Verletzungsgeplagte saison, versöhnlicher finaleinsatz

Verletzungsgeplagte saison, versöhnlicher finaleinsatz

Milanos Weg bis hierhin war ein einziger Verbandskasten. Kreuzbandriss bei Libera Giulia Carraro, Schulter-OP für Diagonalspielerin Terry Enweonwu, Adduktorenzerrung für Mittelblockerin Sarah Fahr – die Liste liest sich wie ein Lehrbuch für Sportmediziner. „Wir haben diese Saison mehr Zeit mit Reha als mit Training verbracht“, sagte Co-Trainer Marco Mencarelli. Genau deshalb schmeckt der Erfolg in Aalst wie ein Schluck Limoncello nach einem Marathon.

Die Statistik spricht klar: Milano verwandelte 48 % der Angriffe, Aalst nur 37 %. Im Block standen die Gäste mit neun Stuffblocks gleich doppelt so oft richtig wie die Hausherren. Die einzige Konstante auf belgischer Seite: Sarah Rempel mit 17 Punkten. Doch allein gegen drei Weltklasse-Außenangreiferinnen ist selbst eine Topscorerin machtlos.

Golden-set-falle und ticket-preise – das steht am mittwoch an

Golden-set-falle und ticket-preise – das steht am mittwoch an

Die CEV hat den Modus klar geregelt: Sollte Milano 0:3 oder 1:3 verlieren, gäbe es ein Golden Set bis 15 Punkte. Doch wer die Lombardinnen in dieser Form gesehen hat, weiß: Die Trophäe wird nicht per Zusatzsatz vergeben, sondern per Klassiker. Tickets für die Pallacorda di Milano waren binnen 90 Minuten ausverkauft – der Schwarzmarkt verlangt inzwischen bis zu 250 Euro für einen Stehplatz.

Die Uhr tickt. Am Mittwoch, 19:30 Uhr, steht Reggers & Co. vor dem zweiten Pokal ihrer Karriere. Die erste Challenge-Cup-Mission 2019 endete mit dem Henkelpokal in der Hand – diesmal soll die Reise nach Berlin ins Champions-League-Ticket führen. Denn der Gewinner startet in der Qualifikation zur Königsklasse. Für Milano wäre das der finale Schritt aus der Reha-Hölle zurück in die europäische Elite.

Die Botschaft nach Aalst war eindeutig: Milano ist nicht mehr das verletzte Kätzchen der Vorrunde, sondern die raubkatze, die sich selbst aus dem Grab gekratzt hat. Wer jetzt noch auf einen Totalausfall hofft, versteht nichts von Volleyball – und schon gar nichts von der Mentalität einer Mannschaft, die gelernt hat, mit Schmerz zu siegen.