Allegri setzt auf jashari: mailands letzter trumpf gegen lazio

Der AC Mailand fliegt mit einem Notplan nach Rom. Kein Rabiot, dafür Jashari – ein 19-Jähriger, der noch nie von Anfang an in der Serie A spielte. Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Milan im Olympico, schrumpft der Rückstand auf Inter auf fünf Punkte. Verliert es, ist die Meisterschaft eine Fußnote.

Die stunde des jashari

Allegri probt seit Montag mit dem Schweizer im Mittelfeld. Die Botschaft: Wir spielen, bevor wir rechnen. Hinter der Aussage steckt mehr Taktik als Romantik. Rabiots Sperre zwingt den Coach, ein Puzzle neu zu setzen. Jashari ist kein Zufall. In der Youth League spielte er 23 Mal, gewann 67 Prozent seiner Zweikämpfe – Zahlen, die das Datenportal Wyscout in Rot markiert. Lazio wird das nicht kennen. Genau darauf setzt Allegri.

Vorne rotiert Leao mit Pulisic, eine Paarung, die diese Saison erst 37 Minuten gemeinsam auf dem Platz stand. Die Statistik lautet: zwei Tore, eine Vorlage, 0,8 erwartete Tore pro 90 Minuten. Klein, aber effizient. Die Frage ist nicht, ob sie spielen, sondern wie lange sie zusammenbleiben. Denn Lazio ist seit zwölf Heimspielen nicht mehr ohne Gegentor in die Pause gegangen.

April als schaltzentrale

April als schaltzentrale

Der Kalender liefert den Rest der Dramatik. Bis Anfang Mai haben beide Teams ein identisches Programm: acht Spiele, vier davon gegen direkte Konkurrenten. Der Unterschied: Inter trifft auf Roma und Torino, Milan auf Napoli und Juve. Die Quadratur des Kreises ist nicht die Tabelle, sondern die Reihenfolge. Milan muss zuerst gewinnen, bevor Inter in Florenz ran muss. Ein Sieg heute würde die Nerazzurri vor ein Dilemma stellen: Punkten oder pokern?

Die Historie gibt Milan recht. 1999 lag die Rossoneri sieben Zähler zurück – und wurde Meister. 2022 drehte Pioli mit zwei Toren von Giroud innerhalb von 171 Sekunden das Derby und die Saison. Die Fans erinnern sich. Die Kurve wird heute „Halma“ skandieren, das alte Spiel mit den Zahlen. 68-60 lautet die Ausgangslage, 68-63 wäre die neue.

Der Druck sitzt aber nicht nur in Mailand. In der Inter-Kabine spricht man offen über „Aprile-Syndrom“. Die letzten beiden Jahre verloren die Nerazzurri in diesem Monument fünf von sieben Spielen. Die Statistiker nennen es „Regression zum Mittelwert“. In der Umkleide nennt man es „der flüchtige Faden“. Trainer Inzaghi hat deshalb die Trainingseinheiten um 15 Prozent erhöht, die Laktattests alle 48 Stunden wiederholt. Die Daten sind eindeutig: Die Distanzsprints sind seit Februar um elf Prozent gesunken. Das ist kein Zufall, das ist Ermüdung.

Die nacht danach

Die nacht danach

Um 22:50 Uhr hebt die Chartermaschine in Ciampino ab. An Bord: entweder ein Team mit fünf Punkten Rückstand oder eines mit elf. Für Milan gibt kein Mittelweg. Allegri wird in der Kabine stehen, die Kappe tief ins Gesicht gezogen, und dieselbe Frage stellen wie 1999: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Die Antwort folgt um 20:45 Uhr. Dann entscheidet nicht das VAR, sondern ein 19-Jähriger, der heute Morgen noch mit dem Schulbus fuhr.

Die Meisterschaft? Noch nicht entschieden. Aber wer heute in Rom verliert, darf im Mai nicht mehr jammern.