Allegri blockiert scudetto-gerede, doch milan-spieler schielen heimlich auf die tabellenspitze

Rom – Massimiliano Allegri redet sich die Seele aus dem Leib, dass die Champions League das Ziel sei. Doch während er im Pressezimmer noch „70-Punkte-Marke“ betet, halten Mike Maignan und Rafael Leao im Kabinengang die Smartphones schräg überm Kopf – Inter lässt Atalanta nicht davonziehen. Die Großmutter der Tabelle lügt nicht: Bei fünf Siegen in Folge wäre Milan nur noch zwei Zähler hinter den Stadtrivalen.

Allegri verbot das wort „scudetto“ – das team hört trotzdem hin

15. März 2026, 15:40 Uhr. Die Charter-Maschine nach Fiumicino ist noch nicht gestartet, da sickert schon durch: 1:1 im Giuseppe-Meazza, Frattesi umstritten mit Hand im Strafraum. Kein Elfmeter. In der Kabine von Milanello jubeln Leao, Pulisic und Modric wie Schuljungs, während Allegri draußen betont: „Wir brauchen fünf Siege für die ChampionsLeague, sonst schauen wir in die Röhre.“

Die Rechnung ist simpel: Milan steht bei 60 Punkten, vier weniger als Inter. Gewinnt Milan in Rom gegen Lazio, dann wäre die Lücke auf einen Schlag bei 63 zu 64 – und plötzlich ist die Meisterschaft kein Hirngespinst mehr. „Die Jungs haben die Tabellensituation im Kopf, ganz egal was ich predige“, sagte ein Betreuer, der lieber anonym bleibt. „Sie wissen, dass ein Lauf reicht.“

Der kader trägt schon titel in den knochen

Der kader trägt schon titel in den knochen

Modric (34 Trophäen), Rabiot (Meister in Frankreich), Nkunku (Europa-League-Sieger) – keiner von ihnen ist nach Mailand gekommen, um Vierte zu werden. Auch Gabbia, heute mit dem Zug nach Rom gereist, um trotz Sprunggelenksprellung die Mannschaft zu pushen, trägt den Charakter eines Captains ohne Armbinde. „Wir sind Milan, wir spielen immer für den Titel“, sagte er vor dem Bahnhof, stieg in den Regionalexpress und vergaß dabei sogar seine Kappe.

10.000 Rossoneri werden das Olimpico in einem eigenen Sektor füllen – mehr Auswärtsfans waren in dieser Saison nirgends in Italien zugelassen. Die Choreografie steht: „Scudetto Rossonero“ in riesigen Buchstaben. Die Polizei schätzt, dass weitere 5.000 ohne Ticket in den umliegenden Bars das Spiel verfolgen. „Wenn Lazio früh trifft, wird die Arena totenstill sein“, sagt ein Ordner. „Fällt dagegen Pulisic in der ersten Viertelstunde, explodiert der Stadionzipfel.“

Lazio als letzte schleuse vor dem traum

Lazio als letzte schleuse vor dem traum

Der Gegner ist kein Zufallsgegner: Lazio kassierte in den letzten drei Heimspielen gegen Milan sieben Gegentore, dazu verlor Baroni mit der Biancocelesti vier der letzten fünf Partien. Allegri will Jashari von Beginn an neben Reijnders aufstellen, um Immobile schon in der ersten Pressing-Linie zu blockieren. Hinten kehrt Tomori zurück; seine Schnittstellen-Statistik: 83 % gewonnene Zweikämpfe gegen italienische Top-Stürmer.

Die Stunde der Wahrheit rückt näher. Nach Rom folgt ein Nachmittag, der die Meisterschafts-Tabelle in einem 180-Minuten-Zeitraum umbauen kann: Milan trifft auf Lazio, Inter muss nach Neapel, wo Spalletti mittlerweile mit Osimhen und Kvaratskhelia wieder die volle Attacke spielt. Drei Punkte Vorsprung nach dem Wochenende? „Möglich“, sagt Allegri zwischen den Zähnen, „aber ich spreche nicht davon.“ Seine Spieler schon – lautlos, aber mit jedem Blick aufs Handy.

Fazit: Die Champions-League-Qualifikation als offizielles Ziel ist ein Ablenkmanöver. Milan spielt heute Abend gegen Lazio um mehr als drei Punkte – um die Meisterschaft, um Stolz, um 19 Jahre Wartezeit seit dem letzten Scudetto ohne Maldini im Kader. Wenn die Sirene im Olimpico ertönt, könnte die wahre Tabelle erst aufleuchten: Milan an der Spitze, und die Nerazzurri plötzlich mit Schweißperlen auf der Stirn.