Alcaraz raus in miami: „alle spielen gegen mich wie verrückt – ich muss das verdauen“

Carlos Alcaraz flucht, schlägt sich auf die Oberschenkel und will einfach nur nach Hause. Der 20-Jährige verabschiedet sich im Achtelfinale von Miami, unterliegt Sebastian Korda 6:3, 6:4 – und liefert danach ein Geständnis ab, das die Königsklasse des Tennis neu vermessen lässt.

„Ich kann nicht mehr. Die Leute spielen gegen mich, als wären sie auf Speed“, sagt der Weltranglistenerste und klingt dabei nicht wie der Souverän, sondern wie ein Gefangener seiner eigenen Marke. Drei Tage zuvor hatte er in Indian Wells noch gegen Arthur Rinderknech gejammert: „Gegen mich wird jeder zum Federer.“ Jetzt der nächste Reality-Check. Korda schlägt Winner aus allen Lagen, Alcaraz wirkt müde, ideenlos, fast schuldbewusst.

Der fluch des favoriten: alcaraz zieht den frust nach

In der Pressekonferenz versucht er es mit Galgenhumor: „Es ist lästig, wenn alle über sich hinauswachsen. Aber ich bin die Referenz, die sie sich auf die Socke schreiben. Für sie gibt’s nichts zu verlieren, alles zu gewinnen.“ Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit dem Turniergewinn in Buenos Aires hat Alcaraz nur noch 63 % der Break-Bälle verwandelt – auf Hartplatz sogar nur 55 %. Gegen Korda ließ er beim Stand von 3:4 im zweiten Satz zwei Spielbälle aus dem Nichts sausen. Danach der Satz: „Ich fahrt heim. Muss die Batterien wechseln.“

Die Saison auf Sand beginnt in zwei Wochen in Monte Carlo. Dort will er „nicht mehr überrascht werden“. Teamchef Juan Carlos Ferrero hatte ihm schon in der Kabine gesagt: „Wenn du nicht früh aggressiv wirst, essen sie dich zum Frühstück.“ Alcaraz nickte, aber die Augen wanderten zur Uhr. Er hatte den nächsten Flieger nach Murcia gebucht.

Miami bleibt ein albtraum – und der kalender ein feind

Miami bleibt ein albtraum – und der kalender ein feind

Vor zwölf Monaten schied er hier bereits in Runde eins gegen David Goffin aus. Jetzt folgt Korda. Das Sunshine Double – Indian Wells plus Miami – endet also erneut mit einem K.o. Er holt nur 180 Punkte statt der möglichen 2.000. Jannik Sinner lauert bereits 850 Punkte dahinter. Die Weltspitze hat sich verengt wie selten zuvor.

Alcaraz weiß: Wer als Nummer eins auftritt, muss jeden Tag Weltklasse-Niveau abliefern, sonst wird er zur Fußnote. „Ich werde nicht jammern, ich werde besser machen“, sagt er und steigt in den Shuttle-Bus. Die Klimaanlage summt, draußen wartet die Hitze von Madrid – und mit ihr die Erde, auf der er einst für sich spielte, nicht gegen sich.