Alcaraz kapituliert in miami und flüchtet nach hause – sandplatz-könig ohne krone

Carlos Alcaraz schleppte sich nach dem Match wie ein Boxer, der die letzte Runde verpasst hat. 3:6, 7:5, 4:6 gegen Sebastian Korda – und schon ist der Spanier raus aus Miami, raus aus der Form, raus aus der Zeit. „Ich fahre wahrscheinlich nach Hause“, sagte er, und sein Lachen klang wie ein Stöhnen. „Ein paar Tage chillen.“

Die batterie ist leer, das selbstvertrauen bröckelt

Die Zahl 16 steht für die Siege, die er zuvor geholt hatte. Die Zahl 2 steht für die Niederlagen innerhalb von neun Tagen. Indian Wells, Halbfinale gegen Medwedew. Miami, Achtelfinale gegen Korda. Beide Male kippte ein Match, das er früher im Schlaf gewonnen hätte. Beide Male sah man einen Alcaraz, der die Linien nicht mehr spürte, den Ball nicht mehr zischte.

Die Konsequenz ist radikal: statt nach Monaco zu fliegen, fliegt er zu seiner Familie. Keine Sponsorentermine, keine Show-Auftritte. „Ich weiß nicht, wie viel Ruhe mir mein Team gönnt“, sagte er – und das klang nicht wie ein Witz, sondern wie ein Appell. Denn der Kalender ist ein Gegner, der keine Pause kennt. Monte-Carlo, Barcelona, Madrid, Rom – dann Paris. Fünf Turniere in sechs Wochen. Sand, Sand, Sand. Und er ist Titelverteidiger in Monte-Carlo und Roland Garros.

Zverev und der rest der liga wittern luft

Zverev und der rest der liga wittern luft

Die deutsche Nummer eins, Alexander Zverev, hat den Blick schon nach oben gerichtet. Die Weltrangliste ist ein Pulsschlag, und momentan schlägt sie langsamer für Alcaraz. Die Distanz zwischen Position 1 und Position 5 beträgt nur 2.000 Punkte – bei einem Masters-Sieg gibt es 1.000. Zverev hat in Rom gewonnen, in Madrid das Finale erreicht. Er kennt sich auf Sand aus. Und er kennt sich mit Verletzungen und Comebacks aus.

Für Alcaraz beginnt jetzt ein Selbstversuch. Kein Training im Hochleistungslager, sondern ein Reset auf der Couch in Murcia. Er will „neue Energie tanken“, sagt er, und dann wieder „die Gegner an ihre Grenzen bringen“. Das klingt nach einem Boxer, der vor dem letzten Gong noch einmal aufsteht. Die Frage ist nur: wie viele Ringe will er noch durchlaufen, bevor der Körper Nein sagt?

Die Antwort kommt am 6. April in Monte-Carlo. Wenn er dort aufschlägt, wissen wir, ob die Pause gereicht hat – oder ob der König erstmals mit Rissen in der Krone antritt.