Alba zittert sich zum big-point, jetzt droht das nächste auswäts-feuer
71:68 – drei Punkte zwischen Spitzenplatz und Alb-Trauma. Alba stemmte sich gegen Würzburg, doch der Jubel währte nur kurz: Schon am Mittwoch fliegt die Mannschaft nach Griechenland, wo ein Underdog mit Messer zwischen den Zähnen wartet.
Jonas Mattisseck wischte sich den Schweiß aus dem Nacken und atmete tief. „Wir wollten den direkten Vergleich gewinnen, klar. Aber wir wollten vor allem gewinnen“, sagte der Kapitän. Das klappte – wenn auch mit Herzklopfen. Ein Delow-Dunk in der 38. Minute verhinderte, dass die Baskets die Mercedes-Benz Arena entern.
Kader-notstand frisst trainingszeit
Doch hinter dem Sieg lauert die nächste Zerreißprobe. Himar Ojeda zählt auf den Fingern der Hand, wie viele vollständige Einheiten sein Staff seit Wochen durchziehen konnte: „Null.“ Nationalpause? Fehlanzeige. Fünf Profis fehlen, drei sind angeschlagen. „Wir reparieren während der Fahrt“, sagt der Sportdirektor. Ein Monat ohne echte Taktik-Arbeit – das ist, als würde man ein Rennen mit flachem Reifen fahren.
Die Konsequenz: Alba kann mitreißen, aber sich kaum noch entwickeln. Gegen Würzburg retteten Individual-Qualitäten das System. Louis Olinde klaute in letzter Sekunde den Ball, Jaleen Smith traf beide Freiwürfe. „Wir leben von Adrenalin, nicht von Automatismen“, sagt Mattisseck. Das reicht in der BBL, in der Champions League wird es eng.

Karditsa plant das spoiler-fest
Dienstag, 17.30 Uhr – Abflug nach Athen, dann Bus Richtung Agrinió. Karditsa ist bereits ausgeschieden, hat aber nichts zu verlieren. „Die spielen wie ein Streetball-Team: frei, verrückt, gefährlich“, warnt Israel González. Alba braucht den Gruppensieg, sonst droht im Viertelfinale ein entscheidendes Spiel fern der eigenen Fans. Die Rechnung ist simpel: zwei Siege = Heimrecht im dritten Spiel. „Wir müssen sie mit Energie erdrücken, nicht mit System“, fordert Mattisseck. Übersetzt: Lauern, rennen, Köpfe verbiegen.
Die letzte Strophe der Vorrunde wird zur Geduldsprobe. Fliegt Alba nach dem Sieg über Würzburg zu hoch, platzt die Blase in Griechenland. Fliegt es zu tief, verpasst das Team den nöthen Killer-Instinkt. Ojeda versucht, die Balance zu halten: „Wir wollen nicht auf Tabelle starren, aber wir wissen, dass jeder Korb zählt.“
Am Mittwoch um 20.00 Uhr wird wieder gezittert. Alba hat keine Zeit, sich zu finden – nur um zu überleben. Und wenn der Bus dann Donnerstag früh nach Berlin rollt, entscheidet eine Zahl: steht da 2-0, ist das Viertelfinale ein Heimspiel. Steht da 1-1, wird es zur Lotterie. Die Jungs von der Spree haben sich einen Sechser auf der Uhr erkämpft. Jetzt kommt der Sprint.
