Aimee boorman fliegt raus: dtb trennt sich nach nur einem jahr

Stuttgart – Der deutsche Kunstturnen bekommt den nächsten Kaderschock. Aimee Boorman, die Star-Trainerin, die einst Simone Biles zur Mehrfach-Olympiasiegerin formte, ist mit sofortiger Wirkung vom Kunst-Turn-Forum in Stuttgart verabschiedet worden. Der Deutsche Turner-Bund (DTB) bestätigte am Montag ein „einvernehmliches Aus“ – doch hinter den Kulissen klingt das wie ein Euphemismus für ein gescheitertes Experiment.

Die 54-Jährige war erst im März 2025 als Bundesstützpunkttrainerin verpflichtet worden, um den Frauen-Kader auf Los Angeles 2028 vorzubereiten. Ihr Vertrag lief offiziell bis Dezember 2028, doch schon nach zwölf Monaten ist Schluss. „Trotz großem Bemühen aller Beteiligten hat die Zusammenarbeit nicht so funktioniert, wie es nötig gewesen wäre“, heißt es in der DTB-Mitteilung trocken. Mehr wollte niemand sagen – aus beiden Lagern.

Boorman kam, als der stützpunkt brannte

Die US-Amerikanerin übernahm den Posten in einem Verein, der kurz zuvor von einem Missbrauchsskandal erschüttert worden war. Ehemalige Turnerinnen hatten systematische psychische und körperliche Übergriffe angeprangert, die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. Boorman sollte frischen Wind bringen, eine andere Kultur. Doch offenbar blieb der Wandel aus.

Intern häufen sich seit Monaten Gerüchte über fehlende Kommunikation zwischen der Trainerin und dem DTB-Leistungszentrum. Turnerinnen klagen über unklare Trainingspläne, Funktionäre über mangelnde Ergebnisse. Bei internationalen Wettkämpfen blieb Deutschland hinter den Erwartungen zurück – keine Medaille bei Weltcups, kein Finalsprung in der Weltspitze. Die Quoten sahen schlecht aus, die Stimmung noch schlechter.

Dtb-pokal startet ohne boorman

Dtb-pokal startet ohne boorman

Die Trennung erfolgt wenige Tage vor dem DTB-Pokal in Stuttgart, dem Showpiece des Verbands. Die Veranstaltung vom 19. bis 22. März hätte Boorman eigentlich als Buhlen um Talente und Image nutzen können – nun fehlt sie. Ihre Nachfolge ist offen, ein internes Konzept liegt noch nicht vor. Für den Verband ein weiterer Imageschaden, nachdem bereits Präsident Alfons Hölzl und Sportvorstand Thomas Gutekunst wegen des Missbrauchsskandals unter Ermittlungsdruck stehen.

Der DTB verliert mit Boorman eine Trainerikone, doch die Bilanz bleibt vernichtend: Ein Jahr, null Medaillen, ungelöste Strukturprobleme. Die Hoffnung, mit einem amerikanischen Supercoach die deutsche Turnwelt wieder in die Spur zu bringen, zerbarst. Bleibt die Frage, wer den Mut aufbringt, das Ruder herumzureißen – und ob die Athletinnen überhaupt noch jemandem vertrauen.