Aicher zittert, shiffrin weint: die kugel bleibt in den usa

Emma Aicher schaffte es, Mikaela Shiffrin ins Zittern zu versetzen. Doch am Ende weinte wieder die Amerikanerin – vor Erleichterung. Der deutsche Angriff auf die Kristallkugel scheiterte im norwegischen Nebel um 0,02 Sekunden und zwei Platzierungen.

Der erste durchgang: aicher auf podiumskurs, shiffrin außerhalb der punkte

Die 22-Jährige aus dem Allgäu fuhr im ersten Run auf Rang drei, nur 26 Hundertstel hinter Valerie Grenier. Die US-Ikone patzte, landete hinter Aicher auf Platz 17 – ohne Zähler, weil in Lillehammer nur die Top 15 punkten. Die Rechnung war plötzlich ganz einfach: Gewinnt Aicher und Shiffrin bleibt außerhalb der Punkte, wäre die Kugel erstmals seit 2015 wieder deutsch.

Der zweite lauf: shiffrin schaltet den modus „überleben“ ein

Der zweite lauf: shiffrin schaltet den modus „überleben“ ein

Shiffrin fuhr aggressiver, risikoreicher. Die Linie war nicht makellos, aber schnell genug, um auf Platz elf zu rutschen. Aicher dagegen verlor im Mittelteil Druck, kratzte am Tor, verlor 1,78 Sekunden auf Grenier und fiel zurück auf Zwölf. Die 0,02 Sekunden Vorsprung, die Shiffrin im Gesamtweltcup noch hatte, reichten – bei 85 Punkten Vorsprung vor dem Rennen ein Drama im Miniformat.

Die bilanz: historie für shiffrin, realitätscheck für aicher

Die bilanz: historie für shiffrin, realitätscheck für aicher

Mit sechs Gesamtweltcups zieht Shiffrin nun mit Annemarie Moser-Pröll gleich. Für Aicher bleibt ein Winter mit zwei Olympia-Silbern, drei Weltcup-Siegen und dem Nachweis, dass sie in allen Disziplinen konkurrenzfähig ist. „Ich habe bewiesen, dass ich die Kugel angreifen kann“, sagte sie mit zittriger Stimme. „Nächstes Jahr beginnt die Jagd von vorne.“

Die TSV Pelkum kann sich warm anziehen: Ihre neue Ikone kommt mit Rückenwind und ohne Druck in die nächste Saison – und mit dem Wissen, dass sie die Größe des Sports schon jetzt ins Schwitzen bringt.