Aicher zieht nach riesz-modell alle register – mazes rekord wackelt
Emma Aicher jagt Mikaela Shiffrin mit einer Taktik, die eigentlich aus der Zeit gefallen ist: Sie startet einfach überall. 125 Punkte Rückstand, sechs Rennen, vier Disziplinen – für die 22-Jährige ein Programm, kein Drama.

„Die anderen haben keine chance“
Tina Maze hat 2014 alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Als Expertin bei Eurosport schielt die Slowenin deshalb nicht auf Shiffrin, sondern auf Aicher. „Emma fährt als Einzige alle Disziplinen. Wer das kann und dabei auch noch gut ist, dem haben die anderen nichts entgegenzusetzen – nicht einmal Mikaela“, sagt Maze und knöpft sich dabei ihren eigenen Punkte-Kosmos vor: 2.414 Zähler sammelte sie 2012/13, ein Wert, der lange unantastbar schien.
Die Rechnung der ehemaligen Allround-Königin geht auf: Je mehr Starts, desto mehr Top-10-Plätze, desto mehr kleine Kristall-Kugeln fliegen nach Deutschland. Dabei vergaß Aicher in Sestriere und Garmisch zwar ein paar Mal, wie man Podestplätze fährt, vergaß aber nie, wie man Punkte sammelt. Ein 9. Platz bringt 50 Zähler – genug, um Shiffrins Polster zu schmelzen, wenn man eben nicht nur Slalom und Riesentorlauf im Kalender stehen hat.
Die deutsche Delegierung schickt deshalb keine Spezialistin, sondern eine Langstreckenläuferin auf Skiern. Aicher absolvierte in dieser Saison bereits 34 Weltcup-Rennen, Shiffrin 21. Die Belastung ist brutal, die Belohnung potenziell historisch. Denn wer am Ende die große Kugel küsst, der küsst auch die Sportgeschichte – und vielleicht sogar Mazes ewige Bestmarke.
Der Vergleich mit Maria Höfl-Riesch liegt deshalb nicht nur Maze in der Luft. Aicher trainierte als Juniorin im selben Klub, fuhr dieselben Kombinationen, lernte dieselbe Mentalität: keine Ausreden, nur Ausfahrten. Der Unterschied: Höfl-Riesch musste sich zwischen Disziplinen entscheiden, Aicher kann sich aussuchen, wann sie zuschlägt.
Die Saison steht auf der Kippe. Noch sechs Mal Startnummer 22 aufs Gletscher-Eis, sechs Mal die Chance, Shiffrins Vorsprung von zwei Riesentorlauf-Siegen zu tilgen. Die Favoritin? Die mit den breitesten Beinen und dem vollsten Kalender. Maze jedenfalls hat schon gewettet – mit sich selbst.
