Aicher jagt shiffrin in lillehammer – 45 punkte sind nichts

Emma Aicher schwebt zwei Tage vor dem Slalom-Finale nur 45 Zähler hinter Mikaela Shiffrin. Die 22-Jährige könnte die Amerikanerin noch abfangen – und die Norweger verpassen ihr dabei einen Schneesturm.

Warum aicher in lillehammer plötzlich favoritin ist

Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Shiffrin am Dienstag im Slalom, muss Aicher mindestens Vierter werden, um die Entscheidung auf den Riesenslalom Mittwoch zu verlagern. Fällt Shiffrin aufs Podest, reicht Aicher ein Platz sieben. Und jetzt kommt der Clou: Die Wetterfröste am Hafjell versprechen Plusgrade und Regen. Ein Weichspül-Slalom. Genau die Bedingung, unter der Shiffrin in dieser Saison schon zweimal stolperte – und Aicher ihre einzigen Slalom-Podiums holte.

Im deutschen Lager ist man deshalb heimlicher Optimist. „Wenn es richtig Nass wird, haben wir einen echten Joker“, sagt DSV-Rennchef Wolfgang Maier. Gemeint ist Aichers Line, die aggressiver ist als Shiffrins. Die Amerikanerin tänzelt, Aicher sägt. Bei Plus fünf Grad verliert die kantige Kufe an Gripp, da zählt Kraft – und die hat die Schwedin aus dem deutschen Ski-Nachwuchs bereits zweimal bewiesen.

Shiffrins angst vor dem eigenen imperium

Shiffrins angst vor dem eigenen imperium

Mikaela Shiffrin hat acht von neun Slaloms gewonnen, aber die Nerven liegen blank. „Ich dachte, Emma führt schon“, sagte sie nach dem Super-G in Kvitfjell. Ein Satz, der durchs Camp geht wie ein Signal: Die Ikonin zweifelt. Viktoria Rebensburg, Eurosport-Expertin, bestätigt es: „Das macht etwas mit ihr. Die Frage nach dem Gesamtweltcup nagt.“ Shiffrin fuhr in Lillehammer erstmals seit Jahren freiwillig zwei Super-Gs – und blieb beide Male ohne Punkte. Ein Experiment, das nach Verzweiflung aussieht.

Andererseits: Sie kennt den Druck. 140 Punkte Vorsprung schmolzen auf 45 – und sie lacht trotzdem. „Ich bin besser dran, als ich erwartet habe“, sagt sie. Gemeint: Sie ist noch immer vorne. Aber die Kristallkugel ist kein Schmuckstück mehr, sondern ein Handgranat mit Zündung.

Die deutsche medienlawine, die aicher umdreht

Die deutsche medienlawine, die aicher umdreht

Vor einem Jahr kannte sie nur Insider, heute wollen ORF, SRF und SVT live. Aicher gibt Interviews auf Schwedisch, weil sie in Sundsvall aufwuchs, antwortet auf Deutsch und lacht auf Englisch. „Ich versuche, nicht dran zu denken“, sagt sie. Aber sie denkt daran. Nach dem vierten Platz im Super-G schüttelte sie den Kopf: „Ich weiß, ich kann besser.“ Dann ging sie mit Kira Weidle-Winkelmann im Schnee rollen. Ein Bild, das Instagram sprengt – und das zeigt: Sie spielt mit dem Rummel, statt sich von ihm fressen zu lassen.

Die Konstante fehlt noch. Zweimal gewann sie Super-G, dreimal schied sie aus. Das ist der Unterschied zu Shiffrin, die nie zweimal hintereinander fliegt. Aicher muss lernen, dass man Titel nicht nur holt, sondern auch verwaltet. Dafür braucht sie an diesem Dienstag keine Perfektion – nur einen Tag, an dem die Königin strauchelt.

Die Uhr tickt. 10:30 Uhr ist Start. Wenn der Regen kommt, wird aus der Jagd eine Schlacht. Und Emma Aicher hat nichts zu verlieren – außer Geschichte.