Aboukhlal: neue knie-op, alles offen – torino verliert flügelstürmer auf unbestimmte zeit
Die Nachricht traf den Torino FC am Sonntag wie ein Sidestep aus dem Nichts: Zakaria Aboukhlal liegt erneut auf dem OP-Tisch. Nach dem heimlichen Crash gegen Bologna am 15. Februar folgte nun eine „arthroskopische Revision“ des rechten Kniegelenks – ein Wort, das in der Medizin so harmlos klingt wie „Routine“ und doch alles bedeuten kann.
Amsterdam war der einzige terminkalender
Der Eingriff fand nicht in Turin, sondern in Amsterdam statt. Dr. Bas Pijnenburg, Spezialist für Knorpel- und Bandrekorde, öffnete das Gelenk, schaute hinein und versiegelte es wieder. Was er sah, behält er für sich. Das offizielle Communiqué spricht von „Konsequenzen eines kontusiven Traumas“ – ein Satz, der so viel sagt wie „irgendwas ist kaputt, wir wissen noch nicht, wie schlimm“. Aboukhlal selbst postete nur ein Bild von sich auf Krücken, dazu ein Emoji mit gesenktem Daumen. Mehr Sprachlosigkeit passt nicht.
Für Torino ist der Verlust mehr als ein Personalpuzzle. Der 24-jährige Marokkaner war in den ersten Januarwochen fünfmal in Serie in der Startelf, hatte den linken Flügel mit Tempodribblings und 37 km/h Spitze zu seiner persönlichen Autobahn gemacht. In 15 Serie-A-Partien sammelte er 831 Minuten, keine Glanzzahl, aber genug, um den Gegner ständig in Rückwärtsgang zu zwingen. Seit Mitte Februar fehlte er – ohne offizielle Diagnose, nur mit dem Verdacht auf einen Baker-Zysten-Einriss. Nun die zweite Operation innerhalb von acht Wochen.

Die prognose heißt: keine prognose
„Die Ausfallzeit wird in den nächsten Wochen entsprechend dem klinischen Verlauf festgelegt“, heißt es wörtlich. Übersetzt: Selbst das medizinische Rätselraten beginnt erst morgen. Reha-Laufband, Aquajogging, Antigravity-Laufband – alles schon gestartet, aber ohne Zielstrich. Trainer Ivan Jurić plant deshalb weiter ohne seinen Außenbahnraketen. Im Restprogramm gegen Roma, Atalanta und Milan wird er auf Eljif Elmas oder dem jungen Gineitis ausweichen müssen – Tempo minus 5 km/h, aber dafür mit intakten Knien.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ohne Aboukhlal schoss Torino in sieben Partien nur fünf Tore, zwei davon aus Standards. Die vertikale Spaltung, die der Marokkaner durch seine 27 Sprints pro 90 Minuten reißt, fehlt. Und mit jedem Tag, an dem die Prognose ausbleibt, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Saison für ihn vorbei ist. Die WM in Katar liegt zwei Jahre zurück, das nächste Afrika-Cup schon in 18 Monaten. Wer länger als drei Monate fehlt, verliert nicht nur Rhythmus, sondern auch den sicheren Platz im Nationalteam von Walid Regragui.
Am Sonntagabend schloss sich Aboukhlal in die Reha-Klinik von Amsterdam ein. Kein Zeitplan, kein Comeback-Datum, nur ein leeres Trainingsprogramm und das dumpfe Gefühl, dass der Körper schneller altert als der Vertrag – der läuft noch bis 2026. Torino zahlt weiter, die Mediziner schweigen, und die Serie A rennt unbeirrbar Richtung Europa-Plätze. Manchmal ist Sport eben kein Spiel, sondern ein Wettlauf gegen die eigere Biologie. Aboukhlal hat verloren – wie lange, das entscheidet sich irgendwann zwischen jetzt und nie.
