Abdilaahi pulverisiert baumanns 28-jahre-relikt – deutschland jubelt in shanghai
7:25,77 Minuten. Die Ziffern flimmern noch Minuten später über das Stadiondisplay in Shanghai, und keiner traut ihnen so recht. Dann brüllt Mohamed Abdilaahi, reißt die Arme hoch, als wollte er die vergangenen drei Jahrzehnte deutscher Mittelstreckenhistorie mit einem Fingerschnippen auslöschen. Fertig. Weg. Dieter Baumanns 7:30,50 aus dem Juli 1998 ist Geschichte, 4,73 Sekunden Luft nach oben hat der 27-Jährige aus Mönchengladbach noch obendrauf gesetzt.
Ein läufer, drei rekorde, eine saison
Es ist der dritte deutsche Rekord in diesem Jahr – und alle stammen aus Abdilaahis Feder. Im Januar raubte er Richard Ringer die 10-km-Straßenbestzeit, im März zerlegte er Baumanns 10.000-m-Mark (26:49,35). Jetzt also die 3000 m, nicht einmal olympisch, aber legendär. „Ich wusste, dass ich es kann, wenn die Pace stimmt“, sagt er mit ruhiger Stimme, während sein Brustkorb noch schneller pumpen muss als auf der letzten Runde. Die Pace stimmte. 61er-Runden, angepeilt, umgesetzt, versenkt.
Hinter ihm Cheruiyot, vor ihm die Uhr. Reynald Cheruiyot (Kenia) wurde Zweiter in 7:26,11, Andreas Almgren (Schweden) Dritter in 7:26,48. Beide hatten Abdilaahi im Frühjahr in Iten noch abgehängt. „Wir haben dieselben Intervall-Sessions gemacht, und ich merkte: Ich komme zurück“, verrät er. In der ewigen Welt-Bestenliste rutscht er auf Rang 15 – vor Kenenisa Bekele, vor Hicham El Guerrouj. Neben ihm steht plötzlich der Name Mohamed Abdilaahi, Deutschland.

Duplantis fliegt, deutschland feiert doppelt
Zeitgleich flog Armand „Mondo“ Duplantis durch die Shanghai-Nacht, 6,02 m genügten zum Sieg, die Latte bei 6,12 m klapperte nur. Für Schweden Routine, für die Arena trotzdem Show. Doch der Abend gehört Abdilaahi. Als er durch den Mixed Zone-Tunnel tritt, halten kameranesische Kollegen die Mikrofone ins Gedränge, chinesische Fans rufen „Mo! Mo!“. Er lacht, so unverkrampft wie seine Schritte auf der letzten 100-Meter-Geraden.
Die Botschaft ist klar: Deutschland besitzt wieder einen Mittelstreckler, der nicht nur mitläuft, sondern vordrängt. In einem Sommer, in dem die Leichtathletik um Aufmerksamkeit buhlt, liefert Abdilaahi das perfekte Leinwandbild: Zielgerade, Uhr, Jubel. 7:25,77. Der alte Baumann-Rekord war eine Mamut-Aufgabe. Abdilaahi machte daraus einen Sprint.
