35 Punkte reichen nicht: dybantsa fliegt trotz gala raus

AJ Dybantsa schrie sich in der Nacht, in der er College-Legende werden wollte, 35 Mal die Seele aus dem Leib – und verlor trotzdem. Texas schickte BYU mit 79:71 nach Hause, March Madness liefert das erste Drama.

Der held ohne happy end

Die Zahl 35 leuchtet länger als jedes Scoreboard im Marriott Center. Sie ist ein Monstrum, ein Ein-Mann-Orkan, und sie nützt am Ende gar nichts. Dybantsa traf Dreier wie Lay-ups, schwang sich an der Seitenlinie in die Dunk-Zone, schlug mit 19 Jahren schon jetzt die Rekordbücher auf – doch als die Sirene heulte, stand er mit leeren Händen da. Die Longhorns hatten einen Plan, und der hieß Matas Vokietaitis. Der Litauer nagelte sich mit 23 Punkten und 16 Rebounds an den Brettern fest und ließ BYU-Trainer Mark Pope verzweifelt auf sein Clipboard starren. „Wir haben einfach keine zweite Waffe neben AJ“, sagte er später, und man hört, wie leer die Worte klingen.

Texas spielte wie ein Team, das die Freiheit des Underdogs inhaliert. Jeder Ballwechsel endete mit einem Körperkontakt, jeder Rebound war ein Kleinkrieg. Die Longhorns lagen fast die ganze Partie vorne, weil sie wussten: Dybantsa kann dich allein nicht schlagen. Und so war es.

Vcu dreht den spieß um

Vcu dreht den spieß um

Während Dybantsa duschen ging, schrie 2.000 Kilometer weiter östlich ein anderer Name durch die Halle: Terrence Hill Jr. Der Guard von VCU war bei 19 Punkte Rückstand gegen North Carolina schon abgeschrieben, dann schraubte er sich in der zweiten Hälfte auf 34 Punkte und versenkte 23 Sekunden vor Ende der Overtime den Dreier, der UNC endgültig die Kehle durchtrennte. 82:78 – die Rams feiern das Comeback des Turniers, und die Tar Heels? Die verlieren ohne ihren verletzten Top-5-Kandidaten Caleb Wilson nicht nur das Spiel, sondern vielleicht auch die Chance, sich selbst in die Lotterie zu spielen.

Henri Veesaar stemmte sich mit 26 Punkten und 10 Rebounds dagegen, aber als die Uhr auf 0 springt, zählt nur die eine Zahl auf der Anzeige. „Wir haben die richtige Erfahrung gemacht“, sagt Coach Hubert Davis – klingt wie ein Trostpreis.

Michigan zeigt die breite

Michigan zeigt die breite

Kein Drama, kein Herzschlagfinale – dafür eine Demonstration. Top-Seed Michigan zerlegt Howard 101:80 und wirft dabei gleich drei First-Round-Kandidaten in die Schlagzeilen. Morez Johnson Jr. geht perfekt aus dem Feld (21 Punkte, 10 Rebounds), der 2,21-Meter-Riese Aday Mara schreibt 19-7-6 und Yaxel Lendeborg liefert 9-4-4 als Nebenschauplatz. Die Tiefe ist das Gift, das andere Teams noch spüren werden. „Wir müssen nicht warten, bis einer heiß wird – wir haben fünf Heizungen“, sagt Trainer Dusty May. Die Wolverines spielen wie ein Schwarm, nicht wie ein Stern.

Houston lässt flemings aufblitzen

Houston lässt flemings aufblitzen

Kingston Flemings braucht keine 35 Punkte, um sich in die Scout-Notizen zu brennen. Der Freshman liefert 18 effiziente Punkte im 78:47-Kantersieg gegen Idaho und bestätigt, warum er zwischen Pick 5 und 10 gehandelt wird. Houston erstickt die Vandals mit Defense und Rebounding, und Flemings wirkt wie ein Spieler, der schon weiß, dass die nächsten Schritte größer werden. „Ich will Sammler sein, nicht nur Punktejäger“, sagt er – und klingt dabei erwachsener als manche Juniors.

Die erste Runde ist noch nicht vorbei, doch die Storylines sind schon geschrieben: Der Held, der verliert. Das Comeback, das keiner sah. Das Top-Team, das seine Waffen entfaltet. Und über allem schwebt die Frage, die jetzt AJ Dybantsa verfolgt: Geht er, bleibt er, oder war das schon sein Abschied? Die Antwort dürfte schneller kommen als der nächste Dreier.