20 Minuten blackout: stuttgart verschenkt den traum vom viertelfinale
Der VfB Stuttgart wachte auf, als das Spiel längst entschieden war. Nach einem furiosen Start verschlief das Team von Sebastian Hoeneß 20 Minuten – und die reichten Porto, um den Schwaben die Europa League-Hoffnung zu nehmen.
1:2 lautet die Hypothek, die Stuttgart ins Estádio do Dragão mitschleppt. Ein Ergebnis, das die Realität beschönigt. Denn bis zur 20. Minute dominierten die Schwaben, ließen Leweling, Demirović und El Khannouss die Gäste tanzen. Dann schlug der Gegner zweimal zu – und traf dabei sogar noch die Latte.
Deniz undav hält die serie, aber reicht das?
Der deutsche Angreifer traf zum fünften Mal in den letzten fünf Europapokal-Spielen. Sein Drehschuss aus 14 Metern war Kunst, aber auch die einzige Antwort auf ein Komplott aus eigenen Fehlern und portugiesischer Kaltblütigkeit. Jeff Chabot spielte sich bei Mora’s 2:0 selbst ins Aus, Atakan Karazor verschwand in der 30-Minuten-Durststrecke zwischen den Linien.
Was bleibt, ist ein Déjà-vu: Stuttgart kassierte in dieser Saison bereits gegen Real Madrid, Atalanta und Salzburg frühe Gegentore – und kassierte am Ende die Punkte. Der Ballbesitzanteil von 61 % am Donnerstag ist Makulatur, wenn hinten die Räume offenstehen wie ein Scheunentor.

Der var schwieg – und das möglicherweise zu recht
Kurz vor dem Pausenpfiff ging Leweling im Strafraum zu Boden. Der litauische Schiedsrichter Rumsas ließ laufen, die Kölner Keller blieben stumm. Bilder zeigen minimalen Kontakt, aber keinen klaren Foul-Pfiff. Stuttgart hatte danach Glück, dass Stiller’s vermeintlicher Ausgleich wegen Abseits von Tiago Tomas zurückgenommen wurde – ein Zentimeter entschied über Rückspiel-Flair.
Die Taktik-Frage bleibt: Warum ließ Hoeneß nach dem 1:2 die Viererkette so hoch stehen? Porto konterte sich in der 68. Minute fast den Sack zu, Pepe’s Schlenzer streifte nur das Außennetz. Ein dritter Treffer hätte das Rückspiel zur Formsache gemacht.

Am sonntag winkt leipzig – und danach dragão-hölle
Keine Zeit zum Durchatmen. Bereits am Sonntag kommt RB Leipzig an die Mercedesstraße – beide Teams bei 47 Punkten. Die personelle Lage wird eng: Karazor droht nach seinem fünften Gelben die Sperre, Vagnoman laboriert an der Hüfte, Millot fehlt weiterhin. Die Belastung: Sieben Spiele in 21 Tagen bis zur internationalen Länderspielpause.
Das Rückspiel in Porto wird zur Geduldsprobe. Im Dragão kocht die Suppe anders: 50.000 laute Portugiesen, ein Rasen wie ein Teppich und eine Elf, die auswärts erst einmal in dieser Saison verlor. Stuttgart braucht mindestens zwei Tore – und muss endlich eine Null hinten hinbekommen, die seit fünf Europacup-Heimspielen nicht mehr existiert.
Die Quadratur des Kreises lautet: Tore schießen, nicht mehr kassieren, dabei offensiv bleiben. Hoeneß sprach von „charakterlicher Reifeprüfung“. Die Wahrheit ist simpler: Wer träumt, muss zuerst wach sein.
