20 Jahre punktesystem: hat es die straßen sicherer gemacht?

Zwei Jahrzehnte ist es her, dass in Spanien das umstrittene Punktesystem für Autofahrer eingeführt wurde. Ein Blick auf die Zahlen wirft ein zwiespältiges Licht auf den Erfolg dieser Maßnahme. Waren die 12 anfänglichen Punkte – acht für Fahranfänger – wirklich der Schlüssel zu sichereren Straßen?

Die anfänge und die gesetzesänderungen

Die anfänge und die gesetzesänderungen

Am 29. Juni 2005 wurde der Weg für das System geebnet, als der Kongress die Gesetzesvorlage mit überwältigender Mehrheit (310 Ja-Stimmen, lediglich sieben Gegenstimmen des PNV) verabschiedete. Die tatsächliche Einführung erfolgte jedoch erst am 1. Juli 2006. Doch das System blieb nicht statisch: 2011 wurde das Verfahren zur Verhängung von Strafen angepasst, und 2022 folgte eine weitere Modifikation, insbesondere zur Verschärfung der Sanktionen für die Nutzung von Mobiltelefonen am Steuer. Die DGT hat also im Laufe der Jahre zweimal am System gedreht.

Die Zahlen sprechen eine eigene Sprache: 2006 verzeichnete man 91.187 Unfälle mit 4.442 Toten und 21.859 Schwerverletzten. Zwar hat auch die zunehmende Sicherheit von Fahrzeugen – sowohl aktiv als auch passiv – zur Reduzierung des Unfallrisikos beigetragen. Doch die Situation im Jahr 2024, dem letzten Jahr mit verfügbaren Daten, sieht anders aus: 101.996 Unfälle mit 1.785 Todesopfern und 9.561 Schwerverletzten. Die Verbesserung ist also nicht so eindeutig, wie man es sich vielleicht erhofft hatte.

Die Zahl der verlorenen Punkte ist schwindelerregend: Insgesamt 72.186.575 Punkte sind seit 2006 verloren gegangen. Besonders bitter: Im Jahr 2024, dem schlechtesten Jahr in dieser Hinsicht, wurden allein 4,5 Millionen Punkte abgezogen, und rund 30.000 Autofahrer verloren ihren Führerschein komplett.

Geschwindigkeit ist nach wie vor der größte Übeltäter: Mehr als 24,4 Millionen Punkte wurden aufgrund von Geschwindigkeitsüberschreitungen abgezogen. Alkohol am Steuer (9,3 Millionen Punkte), das Missachten von roten Ampeln (8,5 Millionen), die Nutzung des Mobiltelefons (7,3 Millionen) und das Nichtmitführen von Kindersitzen (6,9 Millionen) folgen auf dem Treppchen der häufigsten Verkehrsverstöße. Auch Drogen am Steuer (2,5 Millionen), das Ignorieren von Stoppschildern (2,2 Millionen), rücksichtsloses Fahren (1,1 Millionen) und das Fehlen eines Helms (fast 900.000) tragen zur Punktabzüge bei.

Ein Lichtblick: Rund 142.000 Fahrer haben an Sensibilisierungskursen teilgenommen, und 88,4 Prozent von ihnen sind in den sechs Monaten nach Abschluss nicht erneut in Erscheinung getreten. Das zeigt, dass Aufklärung und Bildung durchaus eine Wirkung haben können. Aber die Gesamtzahl der Unfälle und Toten lässt Zweifel aufkommen, ob das Punktesystem allein ausreicht, um die Verkehrssicherheit nachhaltig zu verbessern.

Die Verkehrstodesrate in Spanien ist zwar von 101 Todesopfern pro Million Einwohner im Jahr 2005 auf 24 im Jahr 2024 gesunken – ein deutlicher Fortschritt. Doch die hohen Zahlen der Unfälle und Punktabzüge deuten darauf hin, dass noch vieles unternommen werden muss, um die Straßen wirklich sicherer zu machen. Die Politik muss sich fragen, ob das Punktesystem, trotz seiner Anpassungen, tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt, oder ob nicht grundlegende Änderungen im Verkehrsverhalten der Menschen notwendig sind.