196 Parasportler stürmen bundestag: budget reicht bis milano nicht
196 deutsche Spitzensportler mit Behinderung schlagen 48 Stunden vor der Abfahrt zu den Winter-Paralympics in Milano die Hände vor das Kanzleramt. Ihr Appell: 200 feste Förderplätzeoder die Inklusion bleibt ein Lippenbekenntnis. Die Rechnung dahinter ist so einfach wie brisant: 400 000 Euro fehlen – ein Tausendstel des jährlichen Sportetats.
Die lücke hinter den 168 stellen
Anja Wicker, zweimalige Weltmeisterin im Nordic Ski, unterschrieb als erste. Anna-Lena Forster, viermal Gold im Para-Alpin, folgte sofort. Unter dem Hashtag #200für200 fordern sie, was längst Realität ist: 200 Athleten repräsentieren Deutschland in Paris 2024 und Milano 2026, nur 168 bekommen dafür Geld. „Der Rest wird zum Dschungelcamp der Selbstzahler“, sagt Schwimm-Paralympics-Siegerin Elena Semechin. Sie kennt die Fallhöhe: wer nicht gefördert wird, mietet selbst Betreuer, kaugt sich durch Privatsponsoren und verliert wertvolle Trainingswochen im Büroalltag.
Bundessportministerin Nancy Faeser plant für 2026 rund 350 Millionen Euro – der Spitzensport bekommt den Löwenanteil. Doch die Parasport-Quote stagniert seit fünf Jahren. „Wir reden hier nicht über Luxus“, sagt Wicker. „Wir reden darüber, dass ein Rollstuhl-Rennläufer dieselbe Material-Flatrate braucht wie Felix Neureuther – nur ohne Werbevertrag von Audi.“

Italiens pisten werden zur schreibtischprobe
Die Zeit drängt. Am 6. März fliegt die deutsche Delegation nach Mailand. Wer bis dahin keine gesicherte Förderung hat, reist mit zweimal so viel Nebenjob im Gepäck. Die Athleten schicken deshalb heute eine Kopie ihres offenen Briefes an jeden einzelnen Haushaltsausschuss-Abgeordneten – 709 Mal dieselbe Frage: „Wollt ihr Inklusion wirklich, oder wollt ihr nur gut dastehen?“
Die Antwort könnte ein Präzedenzfall sein. Denn wenn 0,2 Prozent des Sportbudgets schon reichen, um echte Chancengleichheit auf das Podest zu heben, liegt die Schuld künftig nicht mehr am Geld, sondern am politischen Willen. Milano wird zeigen, ob der fliegt – oder ob Deutschland wieder nur mit halber Kraft ins Rennen geht.
