15.000 Läufer blockieren den spreewald: gurkentrophy lockt rekordmob

Der Spreewald steht still. Seit Donnerstag ballern Inline-Skater über Holzbrücken, Paddel ziehen ihre Bahnen durch Fließgewässer, und Radler sausen an schwarzen Gurkenfeldern vorbei. 15.000 Nennungen – nie zuvor meldeten sich so viele Sportler für Deutschlands größtes Vielseitigkeitsrennen außerhalb eines Stadions.

Die Veranstalter mussten gestern um 20 Uhr die Startliste schließen. Ausgebucht. Punkt. Wer jetzt noch anreist, darf höchstens zuschauen – oder wie die Salzgitteranerin Melanie Körner einfach alle sechs Disziplinen nacheinander absolvieren. Sie will morgen Abend sechs bunte Gurken in der Hand halten: Gold fürs Laufen, Lila fürs Paddeln, Rot fürs Skaten. „Ich brauche keine Medaille, aber die Farbpalette ist süchtig machend“, sagt sie nach ihrer 350-Kilometer-Anreise.

Straßen werden zur rennbahn – und das mitten in burg

Die Folge: Burg verwandelt sich am Wochenende in eine Festungsstadt für Autos. Die Bahnhofstraße ist Samstag und Sonntag zwischen 6 und 23 Uhr dicht, die Bleichestraße und die Ringchaussee folgen ab 16.30 Uhr. Wer zur Therme will, muss umständlich über Lehde ausweichen – oder zu Fuß gehen, was angesichts des Wetters kein Makel ist.

Die L51 bleibt zwar durchgängig befahrbar, doch zwischen Straupitz und Goyatz drängeln sich parallel Radler mit 40 km/h und Skater mit noch mehr Tempo. Die Polizei rät Lastkraftfahrern, den Güterverkehr auf die frühen Morgenstunden zu verlegen. „Ein 40-Tonner und ein Inline-Skater auf schmaler Brücke – das endet nicht gut“, sagt ein Sprecher der Verkehrswacht.

Der öffentliche Nahverkehr zieht sich ebenfalls zurück: Linie 48 fällt komplett aus, 44 und 47 enden in „Burg Bleske“. Wer aus Cottbus anreist, muss den Rest zu Fuß zurücklegen – perfekte Aufwärmzeit für die Teilnehmer, nervige Extrarunde für Zuschauer.

Die großen rennen am sonntag – und ein geheimfavorit

Die großen rennen am sonntag – und ein geheimfavorit

Die Elite trifft sich am Sonntagmorgen zum klassischen Marathon (42,195 km) und zum Skater-Marathon (42 km). Start 9 Uhr auf dem Festplatz, Ziel ebenfalls dort. Die Strecke führt dreimal durch den Ort, dann hinaus ins Gurkengrün. Favorit bei den Männern ist der Pole Mateusz Kowalski, der hier 2023 schon gewann und seitdem in Kenia Hochlagenlager belegt. Bei den Frauen will Anna Hahner ihre Bestzeit von 2:45:12 Stunden angreifen – sie startet mit Startnummer 1, weil sie als einzige Deutsche unter 2:50 bleibt.

Was kaum jemand weiß: Am Samstag um 22 Uhr geht der Burger Nachtlauf über zehn Kilometer los – ein Feuerwerk erleuchtet die Strecke, DJs auf Holzplattformen sorgen für 140 Beats pro Minute. Die schnellste Zeit der letzten Jahre: 31:58 Minuten. Rekordjagd bei Dunkelheit, dazu der Geruch nach frisch geräucherten Fischbrötchen. Romantik pur.

550 Helfer, 15.000 Medaillen, 60.000 Gurken in der Catering-Zone – die Zahlen sprechen für sich. Die Organisatoren rechnen mit einem Wirtschaftsfaktor von 3,2 Millionen Euro für die Region. Hotels bis nach Cottbus ausgebucht, Campingplätze überbelegt, selbst die Kanuverleiher haben schon Sonntagmittag keine Boote mehr frei.

Und während die ersten Finisher am Sonntagnachmittag ihre bunte Gurke in den Händen drehen, beginnt schon der Rückbau: Straßen werden wieder freigegeben, Bühnen abgebaut, die letzten Bratwürste verschenkt. Bis 17 Uhr ist alles vorbei – bis zur 25. Auflage 2027. Dann will man die 20.000-Marke knacken. Die Gurke ist bereit.