15.000 Dollar visabürge: afrikanische fans müssen ihr haus verkaufen, um zur wm zu reisen

15.000 Dollar pro Kopf – nicht für VIP-Tickets, sondern für ein Stück Papier, das einreisen erlaubt. Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko rückt näher, doch für Algerien, Senegal, Elfenbeinküste, Cabo Verde und Tunesien beginnt das Turnier schon jetzt mit einem Schlag in die Magengrube.

Trump lässt fans zahlen – und zwar bar

Das „Visa Bond“-Programm, seit April Pflicht für 50 Nationen, verlangt von jedem Antragsteller eine Kaution in Höhe von 15.000 Dollar. Keine Rate, keine Garantie auf Rückzahlung, keine Altersgrenze. Eine vierköpfige Familie aus Dakar muss 60.000 Dollar hinterlegen, bevor sie überhaupt einen Flug buchen darf. Das Gehalt eines durchschnittlichen senegalesischen Arbeitnehmers? Rund 1.800 Dollar im Jahr. Die Rechnung dürfte klar sein: Wer nicht erbt oder verkauft, bleibt daheim.

Die Begründung aus Washington klingt wie ein schlechter Scherz. „Sicherheitsrisiko“, heißt es, weil die Rückkehrquote aus bestimmten Ländern unter 90 Prozent liegt. Dass Fußballfans nach einem Vierteljahrhundert WM-Abstinenz nicht freiwillig im Land verschwinden, sondern brav nach Hause fliegen, interessiert niemanden. Die Regel gilt selbst für Säuglinge. Kein Erbarmen, keine Staffelung, keine Sportlerklausel.

Spieler sind keine ausnahme – die fifa ist ratlos

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Wer jetzt denkt, Profis würden per FIFA-Pass einfach durchgeschleust, irrt. Laut State Department existiert „keine automatische Ausnahme für Athleten“. Das heißt: Sollte etwa der künftige senegalesische Kader am 11. Juni in Miami einlaufen wollen, muss neben dem Impfnachweis auch die Kaution fließen. Die FIFA versucht seit Wochen, Trump-Vertreter von einer Sonderregel zu überzeugen – bisher vergeblich. Die Antwort: „Visa-Richtlinien werden in Washington gemacht, nicht in Zürich.“

Intern arbeitet der Weltverband an Notlösungen: offizielle Einladungen als „nationales Interesse“, Sonderflüge, Botschafterbriefe. Doch selbst wenn das State Department mitspielt, bleibt die Frage: Wer übernimmt die Bürgschaft, wenn ein Spieler ausfällt und statt 30 Tagen nur drei im Land bleibt? Die FIFA schweigt zu Details, die Verbände rechnen mit sechsstelligen Nebenkosten pro Delegation.

Gastgeber usa riskiert das image des „größten aller wm-festspiele“

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Infantino proklamierte das „inclusive World Cup“. Tatsächlich schränkt er das Turnier auf dem Papier auf Reichste ein. Wer sich die Tickets leisten kann, muss nun auch noch liquide genug sein, um Zehntausende zu blockieren. Die Folge: Reiseveranstalter melden Stornierungswellen aus Afrika, Fan-Gruppen organisieren Spendenaktionen, und in Algier kursieren schon Memes, die die WM als „Luxus-Safari für Superreiche“ verhöhnen.

Die ironische Pointe: Gerade die USA werben seit Jahren mit „Sportschau als weiche Diplomatie“. Statt Softpower kommt Hardcash. Die Botschaft an den globalen Süden: Kommt, aber nur, wenn ihr zahlt – und zwar so viel, wie ein Kleinwagen kostet. Ein Sprecher des US-Präsidenten betonte gestern, man wolle „die größte WM der Geschichte“ feiern. Für viele Fans klingt das wie ein Fest, zu dem man nicht erschwinglich eingeladen ist.

Die Uhr tickt. In 78 Tagen rollt der Ball in Los Angeles. Bis dahin müssen entweder die Kautionsschecks fließen – oder die Träume. Die Wette der US-Regierung: Letzteres wird passieren. Die Wette der afrikanischen Ultras: Ein Kontinent schickt trotzdem seine Songs, seine Farben, seine Stimme. Nur eben nicht seine Familien. Das ist der Preis der Exklusion, und er wird in bar kassiert.