0:12-Debakel: deutschlands para-cracks erwachen erst, als schon alles gelaufen ist

Zwanzig Jahre hat das DFB-Schlitten-Team auf diesen Moment gewartet – und dann kam China mit dem Tempo eines Formel-1-Boliden daher. Das 0:12 im Auftaktspiel der Paralympics 2026 in Mailand ist kein einfacher Rückschlag, sondern ein Klassiker auf Eis: Am Ende zählt nicht der gute Wille, sondern die Schlittschuhe, die täglich über NHL-breite Eisflächen gleiten.

Was sich am Samstagmittag imGruppenspiel A abspielte, war keine Partie, sondern eine Demonstration professioneller Schießpraxis. Die Chinesen, allesamt in Stiftungs- oder Staatsprogrammen verankert, trafen aus jedem Winkel. Dianpeng Qiu eröffnete den Torreigen, Jintao Tian schraubte das Verhältnis auf 5:0 – und selbst als Bundestrainer Peter Willmann bereits Wechselkandidaten durchtestete, ließ der Gegner keine Sekunde nach.

Ein system zeigt seine risse

Deutschland spielt Ehrenamt, China spielt Vollzeit. Das ist keine Ausrede, sondern eine Standortbestimmung. Während Jörg Wedde, 60, Fahnenträger und Medizintechniker, nach Feierabend ins Training fährt, ziehen die asiatischen Profis zwischen Olympiazyklus und Zentralkader ihre Kreise. Die Folge: 49:8 Torschüsse nach zwei Dritteln, ein Powerplay, in dem selbst der deutsche Keeper Matthias Koch mit den Schonern zappelte wie ein Fisch auf dem Eis.

Die Statistik brennt sich ins Hirn: zwölf Gegentore bedeuten den höchsten Auftaktsieg Chinas seit Einführung des Sledge-Eishockey vor zwölf Jahren. Für die deutsche Seite war Malte Brelage’s Pfostenschuss in Minute 44 das einzige Ausrufezeichen – und selbst das war eher ein Verdikt als ein Hoffnungsschimmer.

Montag droht die nächste prügel

Montag droht die nächste prügel

Die Gruppe A ist ein Pool der Titanen: Nach China wartet am Montag (17.00 Uhr live auf sportschau.de) bereits Team USA, das mit drei NHL-Stanley-Cup-erfahrenen Streitkräften anreist. Dienstags (9.55 Uhr) folgt Gastgeber Italien, das zumindest die emotionale Heimkulisse auf seiner Seite weiß. Für Felix Schrader und Co. heißt es jetzt: Kopf aus dem Eis, Schläger hoch – und die eigene Professionalisierung endlich auf die Agenda der Verbände setzen.

Denn eines ist klar: Wer nach 20 Jahren Pause mit einem 0:12 zurückkehrt, muss nicht nur neue Taktikblätter ausdrucken, sondern neue Strukturen schaffen. Die nächste Sirene ertönt in 48 Stunden. Wenn dann nicht endlich der erste Treffer fällt, geht der Traum vom Viertelfinale mit einem lauten Knall unter – und mit ihm die Chance, dass das deutsche Paralympic-Abenteuer 2026 mehr bleibt als ein beeindruckendes, aber leeres Schaulaufen.