Spanischer radsport-skandal: urteil im fall maynar!

Ein dunkles Kapitel im spanischen Radsport ist endlich geschlossen. Nach jahrelangen Ermittlungen und Spekulationen ist der Fall um den Arzt Marcos Maynar und seinen Komplizen Ignacio Bartolomé Sánchez mit einem Urteil des Gerichts in Cáceres abgeschlossen. Die Nachricht schockiert die Sportwelt und wirft erneut Fragen nach der Integrität des Radsports auf.

Der umfang des illegalen medikamentenhandels

Der umfang des illegalen medikamentenhandels

Das Gericht verurteilte Maynar und Bartolomé Sánchez wegen des illegalen Handels mit nicht zugelassenen Medikamenten, die an zahlreiche Sportler, darunter viele professionelle Radfahrer, geliefert wurden. Die Urteilsbegründung, ein Dokument von 26 Seiten, enthüllt ein ausgeklügeltes System, das über Postpakete, Verschlussbeutel und handbeschriftete Kapseln abgewickelt wurde. Die Namen bekannter Sportler tauchen in den Akten auf, was den Fall umso brisanter macht.

Das Urteil ist härter als das, das Eufemiano Fuentes im Zuge der „Operation Puerto“ erhielt. Während Fuentes zu einem Jahr Haft und vier Jahren Berufsverbot verurteilt wurde, sehen die Strafen für Maynar und Bartolomé Sánchez deutlich gravierender aus. Die Details der Verurteilung zeigen ein System, das weit über die bekannten Praktiken des Dopings hinausgeht.

Laut Gerichtsurteil handelten Maynar, ein Universitätsprofessor, und Bartolomé, ein Doktorand, in bewusster Abstimmung. Sie versorgten Sportler mit Kapseln und Tabletten, die in transparenten Beuteln verpackt und mit Bezeichnungen wie „Café“, „Fuerza“ und „Laktat“ versehen waren. Die Sportler wurden in Cáceres kontaktiert, physiologischen Tests unterzogen und erhielten anschließend die fraglichen Substanzen, in der Überzeugung, es handele sich um Nahrungsergänzungsmittel zur Leistungssteigerung.

Ein besonders besorgniserregender Aspekt ist die Zusammensetzung der Kapseln, die als „Laktat“ gekennzeichnet waren. Das Gericht stellte fest, dass diese Kapseln eine Wirksubstanz enthielten, die mit Dichloressigsäure (DCA) oder deren Salzen kompatibel war – eine Substanz, deren Vertrieb in Spanien nicht erlaubt ist. DCA kann zwar den Laktatspiegel im Körper senken, birgt aber auch erhebliche Gesundheitsrisiken, darunter neurotoxische und hepatotoxische Effekte sowie den Verdacht auf Karzinogenität.

Neben DCA wurde auch „Actovegin Forte“ in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerückt. Dieses biologische Medikament, hergestellt aus hochreinem Rinderblutextrakt, ist in Spanien nicht zugelassen. Seine Verabreichung ohne therapeutische Indikation kann zu Nebenwirkungen und allergischen Reaktionen führen.

Der Name des kolumbianischen Radfahrers Miguel Ángel López fiel ebenfalls im Zusammenhang mit dem Fall. Die Guardia Civil hatte ein Paket an ihn abgefangen, das Kapseln mit „Laktat“ und Tabletten „Actovegin Forte“ enthielt. Auch Sendungen an andere Sportler, darunter Garikoitz Bravo Oyarvide und Vicente Belda Vicedo, wurden sichergestellt.

Während Vicente Belda und der Trainer Raúl Bernal Vigo von den schwerwiegendsten Anklagen freigesprochen wurden, da nicht bewiesen werden konnte, dass sie die Substanzen an Dritte weiterverteilten oder ihre Zusammensetzung kannten, bleibt der Fall ein deutliches Zeichen für die Schattenseiten des Leistungssports. Bernal Vigo wurde lediglich beschuldigt, Kapseln an Schwimmer des Sportclubs „Nados“ von Castellón weitergegeben zu haben, darunter auch an Minderjährige, ohne deren Gefährlichkeit zu kennen.

Die Guardia Civil spielte eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung des Falls, insbesondere durch die Analyse von Postsendungen, Proben und Telefonmitschnitten. Das Gericht bestätigte die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahmen und wies die Einwände der Verteidigung ab.

Die Zeugenaussagen von Sportlern wie Orluis Alberto Aular Sanabria, Julen Amezqueta Moreno und Marina Lázaro Rico bestätigten im Wesentlichen den Kontakt zu Maynar oder Bartolomé, physiologische Tests und den Erhalt von Kapseln. Die Gutachten der spanischen Arzneimittelbehörde stützten die Feststellungen des Gerichts, dass die verteilten Substanzen nicht in Spanien zugelassen waren.

Das Urteil unterstreicht, dass es nicht erforderlich ist, dass ein Sportler durch den Konsum illegaler Substanzen gesundheitliche Schäden davonträgt, um zur Verurteilung zu gelangen. Entscheidend ist die Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch die Verbreitung nicht zugelassener Medikamente. Der Fall Maynar ist ein Weckruf für den spanischen Radsport und zeigt, dass die Bekämpfung von Doping und illegalen Praktiken weiterhin höchste Priorität haben muss.