Spaniens wm-auftakt droht: rodri fällt, fabián kommt – de la fuente zittert

56 Tage vor dem ersten Pfiff gegen Cabo Verde in Atlanta rüttelt Luis de la Fuente an seiner Taktikmappe – und an seinem Nervenkostüm. Der Europameister von 2024 verliert gerade den Mann, der seine Spielidee trägt: Rodri Hernández zog sich am Sonntag beim 2:1-Sieg von Manchester City gegen Arsenal eine Leistenverletzung zu. „Ich weiß nicht, wie lange er ausfällt“, sagte Pep Guardiola nach Abpfiff. Die Diagnose steht noch aus, doch die WM rückt unerbittlich näher.

Rodri fehlt – und mit ihm die balance

Der 29-jährige Ballon-d’Or-Gewinner war seit seinem Jahreswechsel-Comeback kaum noch vom Platz zu bekommen. 16 Premier-League-Einsätze in Serie, 90 Minuten Garantie für Kontrolle. Nun droht ihm das gleiche Schicksal wie in der Vorsaison: damals stoppten Knie- und Oberschenkelprobleme monatelang seinen Rhythmus. Für De la Fuente ist Rodri nicht einfach ein Sechser – er ist der Metronom, der Spanien vom Umschaltspiel der Euro zum geduldigen Ballbesitz der WM führen soll. Ohne ihn muss der Coach sein Mittelfeld neu erfinden.

Die Lösung könnte aus Paris kommen. Dort lief gestern Fabián Ruiz wieder über den Rasen. Drei Monate nach seiner Kniescheibenfraktur kam der Andalusier in der 72. Minute für PSG gegen Lyon – und lieferte direkt die Vorlage zum Anschlusstor durch Kvaratskhelia. „De vuelta“, postete der 30-Jährige knapp auf Instagram. 41 Länderspiele, ein Linksfuß mit Weitblick, ein Europa-League-Sieger mit Neapel. Für De la Fuente ein Hoffnungsschimmer, aber keine Garantie.

Atlanta wartet – und die uhr tickt

Atlanta wartet – und die uhr tickt

Am 15. Juni um 21.00 Uhr Ortszeit steht Spanien im Mercedes-Benz-Stadium auf dem Platz. Cabo Verde gilt als machbarer Gegner, doch das Turnier beginnt mit dem ersten Ball. Wer dort im defensiven Mittelfeld neben Mikel Merino steht, entscheidet sich in den nächsten Wochen auf dem Behandlungstisch und im Leistungszentrum in Las Rozas. Rodris Leistenbefund wird heute oder morgen klarheit schaffen – oder die Alarmstufe erhöhen.

De la Fuente hat Alternativen: Martín Zubimendi wartet auf seine Chance, Alex Baena kann ins Zentrum rücken. Doch keiner bietet dieselbe Mischung aus Ballgewinn und Spieleröffnung. Die Statistik spricht Bände: Spanien verlor zuletzt nur zwei Pflichtspiele – beide ohne Rodri. Die WM-Gruppe mit Deutschland und Kamerun verzeiht keinen Fehlstart.

Die Spanier fliegen am 2. Juni ins Trainingslager nach Washington. Bis dahin muss die Frage geklärt sein: Wer übernimmt den Part des unsichtbigen Kapitäns? Fabiáns Comeback ist ein erster Schritt – aber nur einer. Denn in Atlanta zählt kein Zurück, nur Vorwärts. Und die Uhr tickt lauter als je zuvor.