Spanien stolpert über kap verde – das 0:0, das den favoriten einfriert

Atlanta – Null Tore, null Ideen, null Komma null Punkte für den Europameister. Spanien verödet im WM-Eröffnungsspiel gegen den Debütanten Kap Verde und triggert eine Medienschlammschlacht, die bis Madrid und London reicht.

Marca: „ein unbekanntes spanien“

Schon nach der ersten Halbzeit kochte das Netz. Marca titelte sofort von einem „Katastrophenstart“. Das Blatt erkannte die Rot-rote Garde nicht wieder: keine Doppelpässe, keine vertikalen Laufwege, stattdessen uferloses Gedribbel vor der gut sortierten Fünferkette von Kap Verde. As spitzte die Kritik zur Karikatur: „Der große Favorit? Die Überschrift können wir getrost löschen.“ Und dann der Seitenhieb mit dem berüchtigten Angliru-Gipfel der Vuelta: „Bereits beim ersten Anstieg fühlt sich diese WM wie der Angliru an – steil, brutal, Sauerstoffmangel.“

Mundo Deportivo bemühte sich um Diplomatie, sprach aber trotzdem von einem „enttäuschenden Start“ und forderte eine „sofortige Reaktion“. Dabei bleibt die Frage offen: Was retten, wenn keine Struktur erkennbar war?

Vozinha baut eine mauer – mit 40 jahren

Vozinha baut eine mauer – mit 40 jahren

Während Madrids Gazetten schäumten, feierte Expresso auf den Kapverdischen Inseln den 40-jährigen Torhüter Vozinha wie einen Nationalhelden. Der Schlussmann kratzte drei Big Chances weg, verpasste keinen Schritt und wurde prompt zur „lebenden Mauer“ stilisiert. Seine Parade gegen Morata in der 72. Minute dürfte schon bald auf jedem Schulhof nachgespielt werden.

Sun spottet: „spain pain“

Sun spottet: „spain pain“

Drüben in England genoss man die Ironie des Schicksals. The Sun konterte mit einem einzigen Wortspiel: „Spain Pain“. Nach der bitteren 1:2-Niederlage im EM-Finale gegen Spanien sitzt der Schadenfreude-Tee besonders süß. Die Three Lions träumen weiter vom ersten WM-Titel seit 1966 – und sehen nun einen möglichen Halbfinal-Gegner wackeln.

Am Ende bleibt eine einzige Gewissheit: Wer als Europameister gegen einen 500.000-Einwohner-Staat nicht trifft, baut sich selbst den höchsten Berg. Und der Gipfel ist noch lange nicht erreicht.