Spanien schreibt hallen-geschichte: 5 medaillen in torun, nur usa besser
22 Athleten starten, 21 erreichen die nächste Runde, fünf kehren mit Edelmetall zurück. Spanien hat bei der Hallen-WM in Torun nicht nur gejubelt, sondern eine zweite Heim-EM 2003 eingeläutet.
Chapado: „das war fast perfekte wettkampfarbeit“
„Ich bin ein Mensch, der viel fordert, aber das hier grenzte an Perfektion“, sagte Raúl Chapado, Präsident der Spanischen Leichtathletik-Föderation RFEA, noch auf dem roten Teppich der Arena. Die Zahlen geben ihm recht: Platz sechs im Medaillenspiegel, Platz acht nach Punkten – vor Frankreich, vor Deutschland, hinter nur vier Olympia-Giganten. „Niemand hätte vor der Reise nach Polen fünf Podestplätze unterschrieben, man hätte mich für verrückt erklärt“, lachte er, während Handy-Blitzlichter um ihn herzuckten.
Die Medaillen kommen ohne Anstrich daher. Enrique Llopis holt Silber über 60 m Hürden, trotz einer Karriere voller Vierte-Plätze und einer Gastroenteritis-Geschichte, die sich wie ein Krimi liest. Mohamed Attaoui nimmt Bronze über 1500 m mit einem Gesicht, als hätte er verloren – weil er auf Gold schnellte. „Diese Enttäuschung ist unser größter Sieg“, sagt Chapado. „Sie zeigt, dass sich das Ziel verschiebt: Podest reicht nicht mehr.“
Hinter den Kulissen arbeitet ein Maschinenraum, der selten ins Licht rückt. Relay-Staffeln werden bis 3 Uhr nachts getimed, weil ein Software-Update die Wechselzonen neu vermisst. Blanca Hervás und Paula Sevilla laufen 3000 m und anschließend noch 4 x 400 m, weil die Punkteregelung es verlangt. „Sie schlagen sich durch wie Boxer, nur ohne Ring“, schwärmt der Verbandschef.

María vicente fehlt – und ist überall
Bei aller Euphorie bleibt ein Schatten. Als die Weitsprung-Bahn auf 6,70 m kalibriert wird, fällt Chapados Blick auf die leere Platzierung, wo 2022 in Glasgow María Vicente nach Führung im Fünfkampf stürzte. „Ich hab heute jeden Sprung mit ihr im Kopf nachgejumpt“, gibt er zu. Ihre Abwesenheit wird zur Geister-Präsenz – und zum Antrieb.
Der Blick nach vorn richtet sich auf Birmingham 2024 (Europameisterschaft im Freien) und Valencia 2027 (Hallen-EM im eigenen Land). „Valencia muss unser Fest werden, mit Publikum, das nicht nur klatscht, sondern mitrechnet“, sagt Chapado. Intern steht bereits ein Kodename: „Proyecto 22-21-5“ – 22 Starter, 21 im Achtelfinale, fünf Medaillen. Die nächste Stufe: 22-22-8.
Die goldene Zeit begann, als 2017 einige „Verrückte“ auf Stafetten und Mittelstrecke setzten. Sechs Jahre später zahlt sich Exzentrismus aus. Spanien ist nicht mehr der Geheimtipp, sondern der Maßstab. Und die Uhr tickt bereits: In 312 Tagen startet die WM in Glasgow – wieder drinnen, wieder auf Holz. Dort will Chapado dann vielleicht nicht mehr sagen, dass sie fast perfekt waren, sondern dass sie es waren. Punkt.
