Spanien schreibt geschichte: rekordlauf und zweifel vor den k.o.-spielen

Chattanooga, Kalifornien – Der Jubel über den ersten Platz mischt sich mit Sorge und Erschöpfung. Spanien kehrte von den Vorrundenspielen zurück, die ersten Verletzungen schmerzen, der lange Flug von Guadalajara hinterlässt seine Spuren, und nun wartet bereits die nächste Mammutaufgabe in Los Angeles. Doch bevor das nächste Kapitel des WM-Abenteuers aufgeschlagen wird, muss die Selección ihre Hausaufgaben machen.

Die durabilität des teams: ein rekord, der beeindruckt

34 offizielle Spiele ohne Niederlage – eine beeindruckende Leistung, die Spanien in eine beispiellose Position bringt. Und das nach dem hart erkämpften Sieg gegen Uruguay, der zwar Freude brachte, aber auch einige Schwächen offenlegte. Luis de la Fuente betonte nach dem Match: „Wir müssen den Ball besser in Bewegung setzen, um schneller in gefährlichen Zonen anzukommen.“

Die Bilanz ist schlichtweg sensationell. Nur Colombia (0:1 in London im März 2024) konnte Spanien in den letzten 33 Spielen bezwingen. De la Fuente, der in 45 Spielen als Trainer bisher nur zwei Niederlagen kassiert hat, übertrifft damit selbst seinen renommierten Vorgänger Vicente del Bosque, der mit 114 Spielen und dem WM-Titel eine Ära prägte. Del Bosque musste in seiner Anfangsphase bereits fünf Niederlagen hinnehmen – zwei offiziell gegen die USA und die Schweiz, sowie drei in Freundschaftsspielen gegen Argentinien, Portugal und Italien.

Die Verteidigungsmauer von Unai Simón ist ein weiteres Kapitel dieser Erfolgsgeschichte. Mit einem ungeschlagenen Torhüter in der Gruppenphase hat Simón etwas erreicht, das Spanien seit 1950 nicht mehr gelang. Die 429 Minuten ohne Gegentor sind ein Beweis für seine außergewöhnliche Leistung. Er steht kurz davor, den spanischen Rekord von Iker Casillas (477 Minuten) und sogar den Weltrekord von Walter Zenga (517 Minuten) zu übertreffen. Das Duell in Los Angeles wird zeigen, ob Simón in die Geschichte eingehen wird.

Die schattenseiten: verletzungen und taktische fragen

Die schattenseiten: verletzungen und taktische fragen

Doch es gibt auch Stolpersteine. Die Verletzungen von Nico Williams und Yeremy Pino werfen einen dunklen Schatten auf die Vorfreude. Und die gezeigten Leistungen in den bisherigen Spielen lassen Zweifel aufkommen. Die Rotation im Spiel gegen Uruguay führte zu einem verunsicherten Spielaufbau und zu unnötigem Ballbesitz. Die Frage ist, ob De la Fuente die richtigen Schlüsse ziehen kann, um das Team für die K.O.-Runde zu formen.

Die kommenden Tage werden entscheidend sein. Spanien muss seine taktischen Schwächen ausmerzen und gleichzeitig die Fitness der verletzten Spieler wiederherstellen. Das Team hat die Chance, eine Ära zu begründen, die an die glorreiche Zeit um 2010 erinnert. Aber der Weg zum Titel ist lang und steinig, und jeder Fehler wird gnadenlos bestraft.

Das SoFi Stadium in Los Angeles wird zum Schauplatz eines entscheidenden Duells. Kann Spanien seine beeindruckende Rekordserie fortsetzen und den Traum vom WM-Titel am Leben erhalten? Die Antwort wird sich am Dienstag zeigen.