Spanien kehrt nach córdoba zurück – 52 jahre nach dem 1:5, das den frauenfußball erfand
Am Samstag um 16.00 Uhr betritt Spaniens Nationalteam das Nuevo Arcángel – und betritt damit eigene Geschichte. Córdoba hat die señas schon einmal gesehen, doch das 1:5 vom 8. Dezember 1972 gegen Italien war kein Spiel, es war ein Aufstand in Kittelschürzen.
Das verbotene team von rafael muga
Die Elf, die damals auflief, hieß Kubalita, Caracuel, Marisa, Oliva, Isabel, Maruja, Inmaculada, Ani, Conchi Amancio, Victoria und Vicenta. Keine Professionalinnen, keine Verträge, nur der Traum, den der visionäre Rafael Muga aus Barcelona mit einem Notizblock und einem Bus organisierte. 1.500 Zuschauer quetschten sich ins Arcángel, dessen Tribünen für 15.000 gebaut waren. Der Rest blieb weg – oder wurde weggeschickt.
„Es goss in Strömen, meine Familie kam aus Priego nicht durch“, sagt Encarnación Caracuel, heute 70, damals 18 und Mittelfeldspielerin. „Mein Vater wollte nicht, dass ich spiele. Ich schlich mich zu den Jungs, tapezierte die Knie, versteckte die Stutzen. Als er erfuhr, dass ich nach Córdoba fuhr, fragte er: ‚Wozu?‘ Ich sagte: ‚Um das zu tun, was ich liebe.‘ Er schwieg. Ich fuhr.“

Schlamm, schmach und ein mikrofon im umkleideblock
Der Rasen war ein Acker, die Italienerinnen hatten eine 100-Meter-Meisterin im Sturm. Maura Furlotti traf nach neun Minuten, Fabbri nach 14, Gualdi nach 29, Vignoto nach 35, Schiavo nach 51. Conchi Amancio erzielte den Ehrentreffer – und wurde im No-Do-Interview gefragt, ob sie lieber kochen oder Tore schießen würde. „¿Sabe usted cocinar? ¿Se casaría con un futbolista?¿El fútbol es femenino?“ Die Antwort fiel in den Katakomben des Stadions unter Gelächter und Pfiffen auseinander.
Caracuel erinnert sich an die Rufe: „¡A fregar!“, „¡Firmad culos!“ Sie lacht heute, weil sie kann. „Wir öffneten ein Tor. Schau dir an, wo der Frauenfußball heute steht.“

Die enkelinnen tragen die nummer weiter
Am Samstag wird sie wieder im Nuevo Arcángel sitzen, diesmal mit 22.000 statt 1.500, mit VAR statt Pfiffen, mit Alexia Putellas statt Conchi Amancio. Ihre Enkelinnen Erola (14) und Isona (11) laufen für CF Torelló auf. „Erola hat Läuferbeine wie ich, Isona den Blick im Strafraum. Sie fragen nicht, ob sie dürfen – sie spielen.“
Spanien ist Europameister, Weltklasse, Favorit gegen die Ukraine. Doch die wahre Favoritin ist die Zeit. Sie hat aus einem 1:5 einen 5:1-Sieg gegen den Machismus gemacht. Caracuel wird aufstehen, wenn die Hymne ertönt, und wissen: Das verbotene Spiel von 1972 war keine Niederlage. Es war der erste Pass in eine lange Serie, die am Samstag in Córdoba ihre nächste Station findet.
