Spanien jagt serbien und den geist der finalissima, die nie stattfand

Luis de la Fuente hätte Lionel Messi beim Lusail-Stadion gegenübersitzen sollen. Stattdessen blickt er heute Nacht in Cádiz auf Dragan Stojković. Die Finalissima ist Geschichte, zerfetzt von einer geopolitischen Kettenreaktion, die kein Schachbrett der FIFA mehr beruhigen konnte. Die Spieler sprechen noch immer mit dem Nachgeschmack von Qatar auf der Zunge: „Wir wollten, egal ob Buenos Aires oder Miami“, sagt ein Assistent, und klingt, als hätte jemand ihm das Abendessen vor der Nase weggegessen.

Mikel oyarzabal besetzt das zentrum – und niemand redet mehr von morata

Mikel oyarzabal besetzt das zentrum – und niemand redet mehr von morata

Seit dem Rückspiel gegen die Niederlande vor zwölf Monaten ist die Neun für den Gipfelstürmer von Real Sociedad reserviert. Sechs Länderspiele später folgt Länderspiel Nummer sieben, und die Torfolge ist längst kein Ausreißer mehr: fünf Treffer in der laufenden Serie, drei Vorlagen im 6:0 gegen die Türkei, als er einmal leer ausging. Die Villa-Marke – sechs Spiele mit Treffer – liegt nur noch zwei Einsätze entfernt. Der Rekord von David Villa war gestern noch ein Denkmal, heute ist es eine Strecke, die Oyarzabal im Sprintmodus passieren will.

Die FIFA-Fenster sind rare Tiere. Dieses hier ist das letzte, bevor die WM-Quali im Herbst losbrüllt. Deshalb rotiert De la Fuente mit der Geduld eines Schachspielers und der Härte eines Boxtrainers. Joan Martínez, Mosquera, Barrenetxea und Víctor Muñoz könnten heute debütieren. Kein Testspielcharakter, sondern ein Vollgas-Casting. Der Trainer will wissen, wer die Dampfphase übersteht, wenn die Gegner nicht mehr Serbien heißen, sondern Brasilien oder Frankreich.

Serbien reist ohne seine Europapokal-Stars von Fulham und Juve an, dafür mit einer jungen Garde, die in der EM-Quali schon Spanien das Leben schwer machte. Coach Stojkiewicz testet die Breite seines Kaders, doch die Moral ist klar: Wer heute glänzt, spielt im Sommer vielleicht in Stuttgart oder Köln. Die Druckwaage pendelt auf beiden Seiten.

Die Finalissima wurde zur Seifenblase. Doch aus der Enttäuschung entstand ein Termin mit Eigenimpuls. Spanien spielt nicht gegen eine Trophäe, sondern gegen die Uhr, gegen Statistiken, gegen das eigene Versprechen, endlich wieder ein Turnier zu dominieren. Oyarzabal trägt die Neun, die Neulinge tragen ihre Unbefangenheit, und De la Fuente trägt die Verantwortung, aus einer abgesagten Gala eine neue Kaderkultur zu schmieden. Die Partie beginnt um 21 Uhr, aber der Countdown läuft schon längst.