Spalletti spaltet turin: juve-auferstehung auf kosten der bankdrücker

Luciano Spalletti hat die Juventus in 79 Tagen wieder in die Champions-League-Ränge katapultiert – und dabei die Kabine zwiegespalten. Wer vor seinem Amtsantritt noch Goldwert schien, rutschte binnen Wochen auf ein Zweitliga-Niveau. Die Botschaft: Nur 14 Spieler zählen wirklich.

Die neue wertungsliste: wer gewann, wer abstürzte

Die neue wertungsliste: wer gewann, wer abstürzte

Seit der 1:0-Siegesserie gegen Bologna, Milan und Turin notiert die Alte Dame 2,2 Punkte pro Spiel – nur Inter (2,7) und Lazio (2,3) waren in diesem Zeitraum besser. Dahinter steckt ein brutales Gesetz: Spalletti rotiert nicht, er selektiert. Kalulu und Yildiz erhalten Startplatz-Garantien, Locatelli durfte seit Weihnachten keine Minute mehr aussetzen. Wer davor nur Ersatz war, wird jetzt Edelmetall gehandelt.

Die Verliererseite liest sich wie ein Abverkaufsprospekt. Michele Di Gregorio kostete im Sommer 18 Millionen, heute würde kein Klub mehr zehn bieten – zu selten stand er zwischen den Pfosten. Kostic war einst Linksaußen der Stunde, heute spielt Cambiaso auch in der EuropaLeague durch. Der Serbe kam seit Februar auf 73 Minuten, sein Marktwert brach um 35 Prozent ein. Gleiches Schicksal trifft Cabal und Adzic, die nicht einmal mehr im Kader auftauchen.

Die Zahlen sind gnadenlos: In Spallettis 13 Pflichtspielen kamen neun Profis unter 90 Minuten. Drei davon – Koopmeiners, Zhegrova und Openda – wurden bereits im Winter verliehen, um Platz für neue Lieblinge zu schaffen. Die restlichen Bankdrücker kassieren ihr Gehalt, trainieren mit der Reserve und warten auf ein Sommer-Feuerverkauf, das die Kasse um bis zu 70 Millionen füllen soll.

Spalletti selbst schert das nicht. „Ich baue keine Rotationself, ich baue eine Siegermannschaft“, sagte er nach dem 3:0 in Neapel. Dahinter steckt die Erkenntnis: Juve muss bis 2026 wieder aus den europäischen Top-10 kommen, sonst droht die Halbierung der TV-Gelder. Wer jetzt nicht liefert, fliegt – egal, wie lange der Vertrag läuft.

Der nächste Markt wird deshalb rabiat. Paratici-Depeschen aus London sprechen von einem „Turin-Flohmarkt“, bei dem sogar Federico Chiesa im Paket mit einem Verlierer-Block wandern könnte. Die Devise: Cash zuerst, Tränen später. Wer bis Ende April keine Einsatzzeiten sammelt, wird mit Rabatt verscherbelt. Die Botschaft an die Kabine ist klar: 14 Gesichter haben Sicherheit, der Rest spielt um seinen Platz im Fußball-Olymp – oder gegen die Zweite Liga.

Die Saison ist gerettet, die Mannschaft gespalten. Spalletti liefert das schillerndste Juve der Nach-Allegri-Ära – auf Kosten derer, die einmal die Zukunft waren. Wer jetzt noch auf der Tribüne sitzt, kann froh sein, wenn er im Sommer einen Koffer packt.