Spaghetti, champagner und rivalität: ein blick auf den giro d'italia 1966

Ein unerwartetes Bild aus der Geschichte des Radsports: Jacques Anquetil, der fünfmalige Tour-de-France-Sieger, serviert Vittorio Adorni, den amtierenden Giro-Champion, und den jungen Felice Gimondi Spaghetti. Ein Moment der scheinbaren Harmonie inmitten eines Rennens, das von Dramen, Freundschaften und dem Aufstieg einer neuen Generation geprägt war. Die Szene, eingefangen am 3. Juni 1966 in Bezzecca, erzählt mehr als tausend Worte.

Die kulinarische friedensstiftung zwischen rivalen

Die kulinarische friedensstiftung zwischen rivalen

Die sechzehnte Etappe des Giro d'Italia 1966 führte die Fahrer von Brescia nach Bezzecca, einem Weg über 143 Kilometer. Vittorio Adorni, der Vorjahressieger, hatte zuvor das Rosa Trikot verloren, und die Spannung im Peloton war spürbar. Dann dieses Bild: Anquetil, bekannt für seine Vorliebe für Fasan, Champagner und die „weibliche Gesellschaft“ statt der mediterranen Küche, präsentiert eine Schüssel Spaghetti. Adorni, der verärgerte Ex-Träger, lässt sich überzeugen, ebenso der junge Gimondi, der im gleichen Jahr sein Giro-Debüt gab und bereits zuvor den Tour de France gewonnen hatte. Es ist ein seltsames Bild, ein französischer Star, der italienische Rennfahrer mit einem italienischen Gericht beschenkt – ein Zeichen der sportlichen Rivalität, die sich in diesem Moment in eine überraschende Geste der Freundschaft wandelt.

Gianni Motta, damals 23 Jahre alt, war derjenige, der Adorni das Rosa Trikot abgenommen hatte. Er, der Mann links im Bild, der seine Ambitionen unter Beweis stellte, profitierte von der Schwäche der etablierten Fahrer und ritt sich ins Rampenlicht. Die Szene mit den Spaghetti steht symbolisch für den Generationenwechsel im Radsport. Erfahrene Kämpfer wie Adorni und Anquetil, die einst die Rennen dominierten, sahen sich nun von talentierten jungen Fahrern herausgefordert, die mit frischen Kräften und unbändigem Ehrgeiz antraten.

Die Zahl, die alles sagt: Motta gewann die Etappe und übernahm das Rosa Trikot, was seinen Aufstieg zum späteren Giro-Sieger einleitete. Ein Beweis dafür, dass manchmal ein Teller Spaghetti mehr aussagen kann als ein ganzes Rennen.