Karibik-klub montserrat wirbt per facebook für einen nationaltrainer – deadline 17. april
Montserrat sucht einen Chefcoach – und macht daraus ein offenes Casting. Wer das UEFA-Pro-Lizenz-Papier in der Tasche hat und Lust auf Sonne, Strand und ein Projekt jenseits jeder Komfortzone, kann bis zum 17. April seine Bewerbung an eine einfache E-Mail-Adresse der Fußball-Föderation schicken. Die Insel, FIFA-Rang 178, will nicht nur ein Team aufrichten, sondern ein ganzes System.
Jobprofil: lehrer, scout, motivator – alles in einem
Die Stellenanzeige, die seit Tagen durch WhatsApp-Gruppen und Twitter-Threads flattert, klingt zunächst wie ein Aprilscherz: „Work where others vacation.“ Doch wer sich die Konditionen genau ansieht, merkt schnell: Der Verband verlangt einen Allrounder. Training der A-Nationalmannschaft? Check. Aufbau eines Nachwuchsleistungszentrums? Check. Scouting-Touren zwischen High-School-Feldern und Uni-Ligen in England, weil zwei Drittel der Spieler im Ausland leben? Auch das.
Kein Wunder, dass binnen 48 Stunden mehr als 200 Bewerbungen eingingen – von ehemaligen Bundesliga-Coaches, die gerade arbeitslos sind, bis zu Fitness-Trainern, die ihre Karriere neu erfinden wollen. Die Auswahl läuft über ein dreiköpfiges Komitee, das per Zoom sitzt und die Kandidaten in 15-Minütigen Speed-Interviews prüft. Ende April will man den neuen Coach präsentieren, rechtzeitig vor der CONCACAF-Nations-League-Quali im Juni.

Warum der kleine inselstaat plötzlich furore macht
Montserrat hat gerade einmal 5.000 Einwohner, aber ein Diaspora-Netzwerk von fast 80.000 Menschen in Großbritannien und Kanada. Die Finanzierung des Projekts kommt zum Teil aus privaten Sponsoren in London, die auf langfristige Imagegewinne setzen. Die FIFA zahlt zusätzlich 250.000 US-Dollar jährlich über das Forward-Programm – Geld, das in Infrastruktur und Trainerausbildung fließen soll. Der neue Coach bekommt ein Jahresgehalt von umgerechnet 42.000 Euro plus Unterkunft, Auto und Flugtickets. Keine Spitzenliga, aber ein Existenzsicherungs-Paket, das auf der Karibik-Insel ein gutes Leben garantiert.
Die sportliche Lage ist ernst: Das letzte offizielle Sieg datiert auf 2015, die Tor-Differenz der letzten zehn Länderspiele lautet 4:31. Trotzdem wächst die Begeisterung. In den sozialen Medien posten junge Locals Videos, wie sie Straßen-Turniere spielen und dabei das neue Nationalteam-Trikot tragen – eine PR-Aktion des Verbands, um Talente zu identifizieren. Der gewählte Coach soll diese Bewegung mit Leben füllen und ein Identifikationsmodell schaffen, das über den kleinen Vulkanflecken hinausstrahlt.
Die Deadline rückt näher, die Postfächer quellen über. Wer jetzt noch zögert, hat verloren. Montserrat wartigt keine Superstars, aber eine echte Geschichte – und die Chance, Fußball-Geschichte auf der kleinsten Bühne der Welt zu schreiben.
