Solberg rast über portugals zerrissene pisten – und die wrc-spitze
Oliver Solberg schickt sich an, die verrückteste Rallye der Saison zu seinem Privatrevier zu erklären. Nach den ersten drei WP des Rally de Portugal liegt der Schwede 3,4 Sekunden vor Adrien Fourmaux – und das, obwohl er selbst sagt: „Ich hab nichts Besonderes gemacht.“ Die Statistik lügt nicht: In Albergaría riss er der Konkurrenz die Asphaltmasken herunter, während das Feld hinter ihm auf splitterndem Belag durchdrehte.
Staub, schotter und ein hauch von wahnsinn
Die Nordportugiesen feiern ihr Fest wie eh und je: 306,42 Kilometer, verteilt auf 19 Prüfungen, viele auf jener berühmt-berüchtigten Schotterkruste, die früher Piloten erzählten, sie hätten in den Fußräumen regelrecht Menschenfinger gefunden. Heute ist die GNR besser vorbereitet, die Zuschauer hinter Fangzäunen – aber das Tempo ist brutaler denn je. Hyundai schickte den i20 N Rally1 mit frischem 2026er-Aero-Paket, und schon auf SS1 schlug Fourmaux Sekundenbruchteile aus dem Untergrund. Dani Sordo jubelte kurz, musste dann aber zusehen, wie sich die Strecke unter 40 °C im Schatten auflöste.
Die Reifenwahl wurde zur Wissenschaft. Wer zu hart ging, verlor Grip in den staubigen Kehren; wer weich blieb, fraß sich nach zehn Kilometer aufs Karkasse. Sébastien Ogier landete mit 7,2 Sekunden Rückstand auf Rang drei – für ihn eine Ewigkeit. „Wir schaukeln uns ein“, sagte er, während sein Copilot Vincent im Servicepark die Stoßdämpfer tauschen ließ. Elfyn Evans verteidigt die WM-Führung, liegt aber nur auf Platz fünf, einen Hauch vor Neuville und Sami Pajari, der mit dem Toyota GR Yaris Rally1 erstmals in Portugal richtig Dampf macht.

Solans und cachón setzen spanien nach vorne
In WRC2 geben sich die Iberer die Klinke in die Hand. Jan Solans pilotiert seinen Skoda Fabia RS Rally2 mit 4,1 Sekunden Vorsprung auf Alejandro Cachón – ein Duell, das die spanische Presse schon jetzt als Vorentscheid um den EM-Titel feiert. Die beiden jagen über die Sprünge von Fafe, wo letztes Jahr noch 50 000 Fans den Nachtsprung in Feuerfackeln erwarteten. Heute sind es nur 30 000 – die Wirtschaftskrise nagt, aber die Leidenschaft bleibt.
Die Wetterfrage hängt wie Damokles-Schwert über der Rallye. Meteorologen prophezeien für Samstag einen Wolkenbruch, der die Schotterpisten in schlammige Rutschbahnen verwandelt. Dann zählt nicht mehr PS, sondern Fingerspitzengefühl. Solberg blickt gelassen: „Regen oder Staub – ich kenne beides aus Schweden.“
Der nächste Schlag fällt heute Abend auf der 22-Kilometer-Sonderprüfung durch Cabeceiras de Basto. Wer dort überlebt, dürfte am Sonntag auf dem Podium von Matosinhos stehen. Die Zahlen sprechen klar: In den letzten zehn Jahren gewann nur zweimal jemand, der nach Tag eins nicht in den Top-3 lag. Für Evans und Ogier wird es eng. Für Solberg könnte es der Startschuss zur ersten Saisonsieg-Explosion sein.
