Slow-food-visionär carlin petrini mit 76 jahren gestorben
Ein stiller Abschied von einem Mann, der die Welt des Essens neu definierte: Carlo Petrini, liebevoll „Carlin“ genannt, ist im Alter von 76 Jahren in seiner Heimat Bra verstorben. Sein Tod hinterlässt eine Lücke in der internationalen Gastronomie- und Nachhaltigkeitsszene, aber auch ein unschätzbares Erbe an Werten und Initiativen, die weiterhin Früchte tragen werden.

Ein leben für gutes, sauberes und gerechtes essen
Petrini war mehr als nur der Gründer von Slow Food und Terra Madre; er war ein unermüdlicher Kämpfer für eine Lebensmittelkultur, die Mensch, Tier und Umwelt respektiert. Seine Philosophie, die er stets mit der Aufforderung „Lasst uns gemeinsam an einem Tisch sitzen“ verband, war einfach, aber revolutionär: Essen ist nicht nur eine Notwendigkeit, sondern ein politisches Statement, ein Ausdruck von Identität und ein Schlüssel zur Bewahrung der Biodiversität. Er verstand es wie kaum ein anderer, die Verbindung zwischen kulinarischem Genuss und sozialer Gerechtigkeit herzustellen.
Seine Gründung von Arcigola im Jahr 1986, das sich später zu Slow Food entwickelte, war ein direkter Gegenentwurf zur „Fast-Life“-Mentalität. Das berühmte Motto „Buono, pulito e giusto“ – gut, sauber und gerecht – wurde zu einem Leitstern für eine Bewegung, die sich weltweit für nachhaltige Landwirtschaft, faire Preise für Produzenten und eine bewusste Konsumkultur einsetzt. Petrini war überzeugt: „Wer Utopien sät, erntet Realität.“
Die Universität für Gastronomische Wissenschaften in Pollenzo, die er gegen aller Widerstände aufbaute, ist ein eindrucksvolles Beispiel für seine Vision. „Wir haben sie ohne Geld restauriert. Niemand hat uns geglaubt. Und dann kamen Studenten aus Harvard!“, erinnerte er sich stolz. Ein Beweis dafür, dass Leidenschaft und Überzeugung Berge versetzen können.
Auch in der Politik wurde Petrini respektiert und geschätzt. Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida würdigte ihn als einen Mann, „der sich für das Recht auf hochwertige Lebensmittel, für die Freiheit der Völker und für den Schutz der Schwächsten und der Mutter Erde eingesetzt hat.“ Er schloss sich der Dankbarkeit an: „Grazie, Maestro. Der Samen, den Sie gesät haben, wird weiterhin Früchte tragen.“
Für den Präsidenten der Region Piemont, Alberto Cirio, ist Petrini ein „ungewöhnlicher Mann, der die Agrarkultur unseres Landes und der Welt verändert hat.“ Er betonte, dass Petrini uns gelehrt habe, dass Nachhaltigkeit und Respekt vor der Natur nicht nur Umwelt-, sondern auch politische, bürgerliche und menschliche Aufgaben sind.
Piemont trauert um einen Freund und Mentor, dessen Schöpfungen das Territorium geprägt und eine Gemeinschaft hinterlassen haben, die nun die Verantwortung trägt, sein Vermächtnis fortzuführen. Carlin Petrini mag gegangen sein, aber seine Ideen und sein Engagement werden weiterleben – in jedem Teller, in jedem Feld und in jedem Herzen, das sich für eine bessere Welt einsetzt.
