Slalom-finale 2025/26: nef rockt, meillard hadert, yule wirft den anker
Kitzbühel ist vorbei, die Kugel verteilt – und die Schweizer Slalom-Crew dampft mit gemischten Gefühlen in den Sommer. Tanguy Nef lacht, Loïc Meillard knirscht mit den Zähnen, Daniel Yule schuftet schon am Mental-Reset.
Nef zieht bilanz: gold statt kristall
Neunter nach Lauf eins, Sechster nach Lauf zwei – das klingt nach einem kleinen Satz, ist aber ein dicker Exclamation Point. Nef steigerte sich um drei Plätze, bretterte 1,4 Sekunden auf die Spitzengruppe heran und untermauert damit, was die Stabschef-Ebene schon ahnte: Der 27-Jährige ist kein Eintagsfliegengewinner mehr, sondern bereit für die Konstanz-Klasse. „Wenn die Tour weitergehen würde, würde ich sofort wieder einsteigen“, sagt er und meint das ernst – seine Beine zucken noch nach, als hätten sie Saisonstart statt Saisonende.
Die Goldmedaille von den World Juniors in Victoria ist sein persönliches Ticket ins Selbstvertrauen. „So eine Plakette verhindert schlechte Nächte“, sagt ein Teaminsider trocken. Fakt ist: Wer im Winter Olympia-Form zeigt, darf im Sommer auch mal länger frühstücken – Erholung steht auf dem Programm, bevor die ersten Rollski wieder knirschen.

Meillard zählt bruchstellen statt podeste
Loïc Meillard hingegen trägt kein Gold, sondern eine Innentasche voller Frust nach Hause. Platz zwei im Finale, zweiter Platz Gesamt – das klingt nach Glanz, ist aber nur Lack. „Ich bin enttäuscht, weil ich nicht mein bestes Skifahren gezeigt habe“, präzisiert er die Diagnose. Der erste Lauf war ein Lehrbuch-Angriff, der zweite ein Lehrbuch-Absturz. Das Polster von 0,62 Sekunden schmolz in herbem Wind dahin, das Material zickte, die Linie auch.
Meillard nennt die Saison „gemischt“ – ein Wort, das in Athleten-Kreisen so viel bedeutet wie „Katastrophe mit Randpodium“. Sieben Ausfälle, keine Kristallkugel, nur ein einziger Sieg – dafür aber beim wichtigsten Rennen der Saison in Cortina. „Schnell war ich immer, konstant eben nicht“, zitiert ihn sein Trainer nach einer Video-Nachtsession. Die Hausaufgabe für den Sommer: Konstanz statt Konkurslinie.

Yule wagt den material-reset
Daniel Yule beendet den Winter auf Rang 15 und damit auf der Position, auf der normalerweise die Verlierer-Analyse beginnt. Der Materialwechsel vom Vorjahr war ein Schlag ins Gesicht, nicht nur in die Ski-Spitze. „Ich dachte, ich wechsle die Bretter und fliege – stattdessen flog ich raus“, sagt er halb lachend, halb verzweifelt. Der zweite Lauf in Kitzbühel zeigte Ansätze: Schwünge, die nach alten Zeiten schmeckten, Speed, der aber nur in Etappen kam.
Yule nennt keinen Grund, sondern eine Liste. Speed, Vertrauen, Material, Kopf – alles gleichzeitig, alles unbefriedigend. „Über den Somner muss ich den Speed und das Vertrauen wieder aufbauen“, klingt das wie ein Mantra, das er sich morgens ins Badezimmerspiegel schreibt. Die größte Herausforderung? „Sie bleibt nameless“, sagt er und klingt dabei, als würde er sich selber suchen.
Fazit: schweizer slalom zwischen gold und grübeln
Die Saison 2025/26 endet mit einem Podest, einer Goldmedaille und einem Fragezeichen in Person von Daniel Yule. Nef liefert den Aufwärtstrend, Meillard die Lehrstunde, Yule die Warnung: Selbst Technik-Genies können an Brettern zerbrechen, die sie sich selbst aussuchen. Der Sommer wird lang – und laut. Die nächste Saison beginnt, bevor die letzte Schneeflocke schmilzt.
