Skn st. pölten: sekerlioglu bleibt cool – und will mehr!

Cem Sekerlioglu, der Mann, der den SKN St. Pölten in Reichweite des Meistertitels geführt hat, strahlt eine Ruhe aus, die fast schon irritiert. Nach dem hart umkämpften Pokalfinale vor einem Jahr mit Hartberg als Co-Trainer Manfred Schmid ist er nun selbst der Architekt der Erfolgsgeschichte in Niederösterreich. Doch wie gelingt es ihm, den Druck auszublenden und sein Team fokussiert zu halten? Und was steckt hinter seiner unerschütterlichen Gelassenheit?

Der leitwolf und die fan-kritik

Im exklusiven kicker-Interview zeigt sich Sekerlioglu überraschend entspannt, selbst angesichts der kritischen Stimmen aus den Reihen der St. Pöltner Fans. „Das schaut nach außen vielleicht etwas anders aus, als es ist“, erklärt er mit einem Lächeln. „Aber es geht eben nicht um Leben und Tod. Wir machen nur die schönste Nebensache der Welt.“ Seine Philosophie: Sport soll Freude bereiten, und das soll er auch seinen Spielern vermitteln. Gerade in der entscheidenden Phase der Saison sei es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen.

Die Bilanz spricht für sich: Das Team von Sekerlioglu hat in der Nachspielzeit mehr Tore erzielt als jedes andere Team der Liga – vier Stück. Und auch die meisten Punkte holten sie nach einem Rückstand, nämlich 15. Ein Beweis für den unbedingten Willen und die mentale Stärke der Mannschaft. „Genau dafür haben wir gearbeitet“, betont Sekerlioglu.

Ballbesitzfußball und die erwartungen der fans

Ballbesitzfußball und die erwartungen der fans

Sein Ballbesitz-Fußball kommt jedoch nicht immer gut beim traditionell kritischen Publikum an. „Als Fan will man ein rauschendes Fest erleben, viele tolle Aktionen sehen“, gibt Sekerlioglu zu. „Ich verstehe das natürlich, wurde auch schon gefragt, 'Wieso spielt's ihr so lang hinten umadum?'“ Seine Antwort: „Unser Ansatz heißt absolute Kontrolle.“ Es gehe darum, den Gegner zu bespielen und ihn zum Laufen zu bringen. „Irgendwann kommt dieser Moment und es macht einer einen Schritt weniger.“

Der Verlust von Schlüsselspielern wie Claudy Mbuyi, Ramiz Harakaté und Elijah Just, die zusammen 50 Scorerpunkte erzielten, hätte viele Teams in die Knie gezwungen. Doch Sekerlioglu und sein Team haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, diese Abgänge zu kompensieren und neue Spieler zu entwickeln. Marco Hausjell, der aus Stripfing kommt, ist nun der beste Scorer des Teams. „Wir haben extrem viel kompensiert und entwickelt“, sagt Sekerlioglu stolz.

Ein blick in die vergangenheit und die zukunft

Ein blick in die vergangenheit und die zukunft

Die unglückliche 0:1-Niederlage gegen Rapid im ÖFB-Cup vor einem ausverkauften Haus mag eine Niederlage gewesen sein, aber sie war auch eine „beste Eigenwerbung“, wie Sekerlioglu sagt. Die Fans trugen das Team, und seitdem sind die Gegner vorsichtiger geworden. Er erinnert sich mit einem Lachen an seinen Beginn bei Austria Wien, wo er in seinem ersten Spiel dreimal ins eigene Tor traf. „Die Mama vom Robert Sara war Zeugwartin und hat mir eine weiße Hose, rote Stutzen und ein violettes Leiberl gegeben…“

Sein Traum ist es, ein Team in einem vollen Stadion zu trainieren. „Solche Spiele wie gegen Rapid, das macht süchtig“, gesteht er. Und er ist fest entschlossen, diesen Traum zu verwirklichen – vielleicht irgendwann mit einem Team, das vor 20 oder 30.000 Zuschauern spielt. Der Blick ist auf die Zukunft gerichtet, der Hunger nach Erfolg ist ungebrochen. Obwohl die Konkurrenz in der 2. Liga heuer hart ist und das Rennen um den Meistertitel eng ist, ist Sekerlioglu zuversichtlich, dass der SKN St. Pölten am Ende die Nase vorn hat. Denn eines ist klar: Unter diesem „Leitwolf“ ist alles möglich.