Sinner zieht in miami weiter seine kreise: 28. satz in folge, michelsen geschlagen
Jannik Sinner hat in Miami wieder einmal die Uhr auf seinen Namen umgestellt. 7:5, 7:6 (7:4) gegen den 20-jährigen US-Hoffnungsträger Alex Michelsen – knapp, aber nie wackelnd. Mit dem ersten Matchball nach 101 Minuten jubelte er sich selbst in die Masters-Geschichtsbücher: 28 Sätze in Serie gewonnen, seit er im letzten Herbst in Paris das Masters-Turnier begann.
Die zahl, die alle erklärungen überflüssig macht
Ein Satz nach dem anderen fliegt ihm zu, als hätte jemand die Schwerkraft für den Südtiroler abgeschaltet. Michelsen, von der Heim-Crowd in den Wolkenkratzer-Stadien von Miami getragen, fand keine Lücke. Er probierte Speed-Up, er probierte Lob, er probierte Tränen – nichts rüttelte Sinner auf. Der Italiener läuft momentan mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass das Spiel sowieso schon entschieden ist, bevor der Ball überhaupt aufschlägt.
Die Statistik dazu: seit dem Viertelfinale in Paris-Bercy 2025 hat Sinner keinen einzigen Satz mehr abgegeben – weder gegen Medwedew, noch gegen Djokovic, noch gegen Alcaraz. Wer ihm begegnet, tritt nicht gegen einen Gegner an, sondern gegen eine 1.600-PS-Dampfwalze mit Schläger.

Michelsen spielte das match seines lebens – und verlor trotzdem
Der US-Boy servierte mit 214 km/h, schmetterte Winner quer über beide Ecken und bewies Nerven wie ein Lotto-Millionär im Kasino. Doch jeder seiner Glanzpunkte landete mit dumpfer Gewissheit im Sinner-Black-Hole. Beim Stand von 6:5 im zweiten Satz hatte Michelsen sogar einen Vorhand-Passierball am Netz – der Italiener streckte sich, schlug eine Defensiv-Parade, und Sekunden später stand es 6:6. Michelsen schüttelte nur den Kopf. Das war keine Tennis-Logik mehr, das war Naturgesetz.
Im Tiebreak dann die vorprogrammierte Eskalation: 0:1, 1:2, 3:4 – Michelsen blieb dran, aber die Lücke war einfach ein Pixel breit. Ein Return-Winner von Sinner auf die T-Linie, ein verschossener Volley des Amerikaners, und schon hatte Sinner drei Matchbälle. Den ersten nutzte er.

Nächster prüfstein: entweder atmane oder tiafoe – beide haben grund, angst zu haben
Im Viertelfinale wartet nun Terence Atmane oder Frances Tiafoe. Beide können aufreißen, so viel sie wollen – sie treffen auf einen Mann, der seit 28 Sätzen nicht mehr gezittert hat. Atmane, der in dieser Woche schon Karimov und Davidovich Fokina weggebügelt hat, kennt Sinner aus Trainingslagern in Monaco. Tiafoe wiederum kennt ihn aus fünf Pflichtspielen – und hat jedes verloren.
Sollte Sinner den nächsten Satz mitnehmen, stellt er den Allzeit-Rekord von Djokovic ein (30 Satzgewinne in Serie bei Masters). Dann bleibt nur noch die Frage, wer die Serie stoppen will – und ob überhaupt jemand die Power hat, dieses Tennis-Androiden zu zerschlagen.
Miami glüht, Sinner siegt. Die Jagd nach dem nächsten Rekord läuft schon am Mittwochabend – und die Uhr tickt weiter, ganz in seinem Rhythmus.
