Sinner zerquetscht seinen angeblichen erben – jetzt jagt er den nächsten teenager

Zwei Tiebreaks, zwei Mal Nervenkrieg, ein Mal die Show des Weltklasse-Players: Jannik Sinner hat in Indian Wells dem 18-jährigen Brasilianer Joao Fonseca eine Lehrstunde in Sachen Durchsetzungskraft erteilt und steht im Viertelfinale. 7:6 (8), 7:6 (4) – fertig in 122 Minuten, in denen der Südtiroler dreimal Satzball abwehrte und trotzdem nie die Kontrolle verlor.

Der angebliche thronfolger spielte sich selbst aus

Fonseca, von vielen Experten als „Sinner 2.0“ gehandelt, weil seine Bewegungsabläufe und die flache Vorhand fast identisch wirken, führte im ersten Tiebreak 6:3. Was dann passierte, war keine Kopie, sondern ein Original: Sinner schraubte das Tempo auf 210 km/h, servierte drei Winner hintereinander und drehte den Break auf 8:6. Der Junge aus Rio schlug anschließend den Ball ins Netz, schüttelte nur den Kopf. Die Botschaft war klar: Der Thron ist noch nicht zu haben.

Im zweiten Durchgang schlug Sinner bei 6:5 zum Matchgewinn auf – und vergab. Ein Doppelfehler, ein Return-Winner, schon war man wieder im Tiebreak. Doch der 23-jährige Italiener schaltete sofort zurück auf „Killer-Modus“: Inside-Out-Forehand, 210 km/h zweiter Aufschlag, cross winner. 7:4. Ende. Fonseca stand mit leeren Blicken da, als hätte er das Manuskript seines eigenen Films nicht mitbekommen.

Nächster gegner: learner tien, 19, kaliforniens rohdiamant

Nächster gegner: learner tien, 19, kaliforniens rohdiamant

Jetzt kommt Learner Tien, ein US-Boy, das in Newport Beach auf dem Hartplatz aufgewachsen ist und forehandtechnisch an einen jungen Del Potro erinnert. Tien hat in dieser Woche bereits Casper Ruud und Holger Rune rausgeworfen – mit Schlägen, die so hart sind, dass sie im Ballkids-Bereich Einschusslöcher hinterlassen. Sinner kennt ihn nur aus Trainingsrallyes in Monaco, weiß aber: „Er hat nichts zu verlieren. Das macht ihn gefährlich.“

Die Zahlen sprechen trotzdem für den Weltranglisten-Zweiten: 14 Siege in Serie auf Hartplatz, keine Niederlage seit Oktober. Dazu eine Quote von 84 % gewonnener Punkte hinter dem ersten Aufschlag in dieser Saison – Bestwert auf der Tour. Tien dagegen steht erstmals in einem Masters-Viertelfinale, wird morgen vor Heimpublikum spielen. Die Bühne ist bereit, das Skript offen.

Sinner selbst wirkt nach dem Match nicht müde, sondern hungrig. „Ich will hier endlich den Titel holen“, sagt er vor den Medien, ohne zu lächeln. Indian Wells ist das einzige Masters-1000-Turnier, das ihm noch fehlt. 2021 verlor er das Finale gegen Alcaraz, 2022 schied er im Halbfinale aus. Jetzt, mit der Erfahrung von drei Grand-Slam-Triumphen im Rücken, wirkt er bereit, die Wüste endlich einzunehmen.

Donnerstagabend, 21 Uhr Ortszeit, Stadium 1, Temperaturen um 24 Grad – perfekte Bedingungen für einen Spieler, der in der Hitze erst so richtig aufdreht. Fonseca musste es erfahren, Tien wird es lernen. Wer Sinner stoppen will, braucht mehr als Talent. Er braucht eine Waffe, die es auf dieser Welt derzeit nicht gibt: eine Zeitmaschine.