Sinner läuft alcaraz weg: 23 siege, 2440 punkte vorsprung, kein gegner in sicht
Jannik Sinner spielt gegen Gespenster. Carlos Alcaraz fehlt, und mit ihm das letzte Stück Spannung. Der Italiener schraubt sich in Madrid mit 6:7(6), 6:1, 6:4 gegen Qualifikant Benjamin Bonzi auf 23 Masters-1000-Erfolge in Serie – nur Federer, Djokovic und Nadal lagen je länger vorn. Die nächste Herausforderer heißt Elmer Möller, Weltranglisten-169. Ein Witz? Fast.
Die serie lebt von abwesenheit
Seit dem 5. Oktober 2023 in Shanghai hat Sinner keinen Masters-Match mehr verloren – damals gegen Griekspoor per Aufgabe. 201 Tage später zieht er durchs Tableau wie durch Trainingslektionen. Ohne Alcaraz, der seine Handgelenks-Operation noch auskurirt, wirkt das Turnier entkernt. Die Magie von „Carlitos“ fehlt, die Druckwellen, die Sinner noch im letzten Herbst an die Grenzen trieben. Stattdessen: ein Franzose, der einen Satz klaut, dann kippt.
Bonzi nutzte die Höhenlage von 657 Metern, schickte Return-Winner wie Raketen, führte 4:2 im Tiebreak. Danach platzte der Traum. Sinner drehte auf, nahm dem 27-Jährigen mit forcierten Vorhand-Longlines die Beine, servierte fünf Asse im zweiten Durchgang und beendete das Match mit 24 Winnern bei nur elf unerzwungenen Fehlern. Die Zahlen mögen glatt wirken – das Match war es nicht.

2440 Punkte heben sinner auf eine insel
Die Ranglisten-Lücke zu Alcaraz wächst auf genau 2440 Zähler. So viel trennt sonst Platz eins und fünf. Sinner spielt nicht nur besser, er spielt alleine. Die letzte echte Niederlage datiert vom März in Indian Wells – gegen Alcaraz. Seitdem gewinnt der Südtiroler, was es zu gewinnen gibt: Miami, Roland Garros (nicht offiziell Masters, aber gleiche Kategorie), Canadian Open, Cincinnati, jetzt jagt er den fünften Titel im fünften Versuch.
Die Konkurrenz schaut. Medvedev schied in Madrid bereits aus, Zverev wirkt müde, Tsitsipas sucht den Rhythmus. Und Alcaraz? Der postete ein Foto vom Training mit Gips, nicht mit Rakete. Die Uhr tickt: Paris beginnt in zwei Wochen. Ohne Matchpraxis wird der Murcianer in Roland Garros kein Selbstgänger – und Sinner könnte die Serie sogar auf 30 ausdehnen, sollte er in Rom triumphieren.

Madrid ist nur die vorbühne
Montag wartet Möller, 20 Jahre alt, 1,96 m groß, gerade mal drei ATP-Matches auf dem Buckel. Die Buchmacher geben ihm 17,00 Quote – ein Euphemismus für „aussichtslos“. Sinner selbst winkt ab: „Jeder Beginn ist null“. Aber seine Augen glühen. Er kennt die Statistik, kennt die Geschichte, die er schreibt. 23 Siege hintereinander – das ist Nadal-Niveau. Die nächsten Marker: 29 (Federer), 30 (Djokovic zweimal), 31 (Djokovic). Drei Wochen können reichen.
Die Frage ist nicht mehr, ob jemand stoppt, sondern wann Alcaraz zurückkommt. Denn nur ein echter Rivale verhindert, dass Rekorde sich zu langweiligen Zahlen degradieren. Bis dahin jagt Sinner seine eigene Bestmarke – und die restliche Tour guckt zu, wie weit die Lücke noch wächst.
