Sinner fliegt zum check-up ins san raffaele – und landet direkt im fokus

Jannik Sinner verschwindet nicht einmal hinter doppelten Türen. Gestern kurz vor 18 Uhr schlüpfte der Weltranglistenerste aus dem Seitenausgang des Mailänder San Raffaele, in Shorts, schwarzem Shirt, weißer Cap – und einem dicken Verband um sein linkes Handgelenk. Die Kameras rasten, die Reporter wollten wissen, warum der Körper, der fünf Masters 1000 nacheinander gewonnen hat, in Roland Garros nach zwei Sätzen und 5:1 plötzlich die Notbremse zog.

Geheimakte san raffaele

Das Krankenhaus hat das Dossier sofort unter Verschluss gehalten, als wäre es Staatsgeheimnis. Dabei geht es nur um einen Profisportler – aber eben um den, der Italien den zweiten Grand-Slam-Titel seit 1976 hätte bescheren können. Zu den Terminen gehören laut Insidern Kardiologie, Stoffwechselscreening, Blutbilder unter körperlicher Belastung. Alles Routine, sagt das Umfeld. Alles dramatisch, meinen die, die Sinner zwei Tage vor dem Crash in Paris noch 45 Grad Hitze in Melbourne erlebt haben.

Teamarzt Luca Semperboni begleitete ihn gestern, ebenso der Fahrer des schwarzen Vans mit getönten Scheiben. Kein Wort, kein Geständnis, nur ein knappes Nicken. Die Bilder verrieten trotzdem: Sinner wirkt gelöst.

Die laila-faktoren

Die laila-faktoren

Abends saß er im Hotelrestaurant im Zentrum von Mailand. Gegenüber: Laila Hasanovic. Sie telefonierte, er lächelte, die Hand mit dem Verband ruhte locker auf der Tischkante. Für die Jungs von Eurosport war das bereits die zweite Headline: „Cena romantica dopo il day hospital.“ Für die Mediziner ein Hinweis auf normale Cortisolwerte – wer Stress hat, isst nicht so entspannt.

Heute geht’s zurück ins Labor, letzte Blutabnahme, Ultraschall, vielleicht eine Laktat-Kurve auf dem Laufband. Dann heißt es wieder: Monte Carlo statt Mailand. Dort startet die Wimbledon-Vorbereitung, ob mit oder ohne Ergebnisse aus dem San Raffaele. Coach Darren Cahill hatte ohnehin keine Turniere vor dem 2. Juli vorgesehen.

Der plan, der keiner sein soll

Der plan, der keiner sein soll

Die wahre Frage bleibt offen: Hat Sinner einfach nur die Reissleine verpasst, oder steckt mehr dahinter? Die Statistik spricht dagegen: 29 Siege in Serie auf Sand, dann ein Blackout beim 5:1 gegen Cerundolo. Die Physiologen sprechen von „zentraler Ermüdung“, die Fans von einem „Fluch von Roland Garros“. Fakt ist: Wer fünf Masters in Serie holt, spielt nicht zufällig schlecht.

Die letzten Untersuchungen dauern noch bis Mittag. Danach steigt Sinner in den Privatjet und fliegt zurück in die Trainingshalle. Wimbledon fällt nicht vom Kalender. Aber wer in Paris schon mit 5:1 vorne lag und trotzdem verlor, weiß: die Maschine Mensch hat mehr Tasten als Return und Slice.