Sinner ertränkt medwedew in der wüste und sticht alcaraz an

35 Grad Hitze, kein Break, zwei Tiebreaks – und am Ende steht Jannik Sinner mit dem Kristallpokal in der Hand. Der 24-jährige Südtiroler hat in Indian Wells seine bisher härteste Prüfung gemeistert und dem Tennis eine neue Machtverhältnisskizze geliefert.

Die wüste schreit nach einem herrn

Seit Tagen kochte der Court im Coachella Valley, doch wer glaubte, die Glut würde die Kugeln weich klopfen, sah sich getäuscht. Sinner und Medwedew schlugen Schneidbälle, die selbst die Linienrichter zucken ließen. Kein Aufschlagspiel ging vorbei ohne mindestens einen Return auf die T-Linie, kein Rallye ohne den Spagat zwischen Risiko und Kontrolle. Die Statistik: 107 Minuten pure Konzentration, 0 Breaks, 23 Winner gegen 19 – ein Schlagabtausch auf Messerschneide.

Die Zählung im ersten Tiebreak verrät die Klinik: 8:6. Ein einziges Mini-Break, mehr nicht. Im zweiten Tiebreak lag Medwedew schon mit 4:0 vorne, dann zog Sinner sieben Punkte in Folge durch – ein 7:0-Lauf, so brutal wie ein Box-K.o. in der 12. Runde. „Ich hab nur gedacht: jetzt oder nie“, sagt Sinner später, die Stimme heiser vom Wüstenstaub. „Danach hab ich nur noch meine Beine gespürt – die sind gelaufen, der Kopf war leer.“

Italiens wochenende der superlative

Italiens wochenende der superlative

Die Rakete war noch nicht gelandet, da flatterte schon die nächste Nachricht ins Pressetribünen-WhatsApp: Kimi Antonelli siegt in Shanghai in der Formel 1. Sinner, seit Jahren Tifoso mit Herzblut, grinst breit: „Zwei italienische Flaggen an einem Wochenende – das ist kein Zufall, das ist Mentalität.“ Für ihn persönlich war es der 25. Titel, der erste in der Wüste und der 100. Sieg in einem Masters – eine Zahl, die ihn in die gleiche Kategorie wie Djokovic und Nadal katapultiert.

Die Rangliste lügt nicht: Sinner verkürzt auf 680 Punkte Rückstand auf Alcaraz. Damit ist die Weltrangspitze zum ersten Mal seit zwölf Monaten wieder eine Zweikampfzone statt einer One-Man-Show. Und Medwedew? Er kehrt in die Top 10 zurück – belohnt für eine Woche, in der er erst Alcaraz und dann fast auch Sinner ausgelöscht hätte. Die Reiseroute liest sich wie ein Krimi: Kriegsbedingt fest in Dubai, Umweg über den Oman, Istanbul, dann Kalifornien. „Tennis ist manchmal absurd“, sagt er mit einem schiefen Lächeln. „Aber ich bin zurück. Und nächstes Mal gewinne ich.“

Für Sinner geht’s nach Miami, wo er letztes Jahr im Viertelfinale scheiterte. Die Saison ist jung, der Sand von Roland Garros noch weit entfernt. Doch eine Botschaft ist bereits angekommen: Wer ihn schlagen will, braucht mehr als nur gutes Tennis – der neue Herr der Wüste spielt mit dem Feuer und kommt unverbrannt davon.