Sinner am scheideweg: mentale blockaden statt körperliche schwäche?

Paris – Der frühe Exit von Jannik Sinner bei den French Open hat die Tenniswelt erschüttert. Nicht nur, dass der als unschlagbar geltende Superstar so früh scheiterte, sondern auch die Art und Weise, wie er verlor, wirft Fragen auf. Boris Becker, der ehemalige Wimbledon-Sieger, sieht die Ursache nicht in körperlichen Problemen, sondern in mentalen Schwierigkeiten – und plötzlich winkt Alexander Zverev die Chance auf den Titel.

Becker: „das kann nicht von der muskelkraft kommen“

Die Bilder vom Court Philippe-Chatrier waren schockierend: Der bis dahin so souveräne Sinner, der die Sandplatzsaison in beeindruckender Weise dominiert hatte, brach plötzlich zusammen. Schwindelgefühle, körperliche Beschwerden – und ein überraschend schneller Verlust des Matches. Becker, der die Partie im Eurosport-Studio verfolgte, war sich sofort sicher: „Das kann nicht körperlich sein. Das muss geistig sein.“ Ein Satz, der die Debatte um Sinners mentale Stärke neu entfacht.

Es ist kein Geheimnis, dass der junge Italiener unter dem enormen Druck steht, der auf ihn lastet. Die Erfolge der letzten Monate, die fast schon historische Siegeszug auf Masters-Ebene, haben ihn zum Star gemacht. Aber hat diese Selbstverständlichkeit ihn vielleicht ein wenig überfordert? Hat er den Druck, immer liefern zu müssen, zu sehr verinnerlicht?

Becker deutete an, dass die intensive Turnierbelastung eine Rolle spielt. Seit März war Sinner quasi non-stop im Einsatz, von Kalifornien über Madrid bis Rom. „Irgendwann ist dieser Typ auch einmal leer“, so der Experte. „Er ist ein Mensch und hat heute einen schlechten Tag erwischt.“ Aber Becker glaubt, dass es mehr ist als nur ein schlechter Tag. Es ist die Frage, wie Sinner mit dem Druck umgeht, wie er mit den Erwartungen der Öffentlichkeit und des eigenen Teams fertig wird.

Zverev im aufwind: der neue titel-favorit

Zverev im aufwind: der neue titel-favorit

Während Sinner strauchelt, präsentiert sich Alexander Zverev als Mann der Stunde. Der Hamburger, der in den letzten Jahren immer wieder an großen Turnieren scheiterte, scheint nun bereit zu sein, den nächsten Schritt zu machen. Becker sieht in Zverev den klaren Nutznießer von Sinners Drama: „Sorry, aber Sascha ist besser.“

Der dreimalige Wimbledon-Sieger listete die Gründe für seine Einschätzung auf: „Wenn ich das aus seiner Sicht beurteilen darf: Da gibt es keinen Spieler, vor dem ich mich fürchten muss.“ Zverevs Weg ins Finale scheint frei, seine Gegner sind machbar. Und er selbst scheint in Topform zu sein, sowohl körperlich als auch mental.

Die French Open 2026 könnten für Zverev der Durchbruch sein, der er sich so lange ersehnt hat. Und für Sinner könnte es ein Weckruf sein, sich seiner mentalen Schwächen zu stellen, bevor er erneut an einem Grand-Slam-Turnier scheitert. Die Entscheidung liegt bei ihm – und die Tenniswelt wird gespannt sein, wie er darauf reagiert.