Simon ammann fliegt heim – und lässt planica im stich

Kein Abschied auf der Großschanze, keine Ehrenrunde, keine Rede. Simon Ammann, 44, der Mann mit den vier olympischen Golds, hat kurzfristig abgesagt. Weltcup-Finale Planica? Absage. Karriereende? Schweigen.

Cheftrainer norcic packt aus: „das war eine faustdicke überraschung“

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Bine Norcic hatte alles vorbereitet: Gespräch, Podium, vielleicht sogar eine Flugshow mit altem Kleid. Dann der Anruf. „Ich habe erstmal gedacht, er scherzt“, sagt der slowenische Chefcoach. Aber Ammann meinte es ernst. Sein letzter Sprung war der 42. Platz in Vikersund – ein Wertungslauf, der wie ein Nebensatz klingt.

Die Saison war hart. Olympia-Karte knapp verpasst, Frust in der Nacht von Zhangjiakou, dazu die quälende Frage: reicht’s noch für Peking-Niveau? Körper, Kopf, Material – alles war auf Maximum, doch die Punkte wollten nicht kommen. Wer Ammann kennt, weiß: er fliegt nur, wenn die Luft stimmt. Diesmal war sie raus.

Doch wer jetzt auf Twitter nach „Ammann Rücktritt“ sucht, findet nur Spekulationen. Kein Statement, kein Emoji, kein „Danke für die ganzen Jahre“. Stattdessen ein Foto aus seinem Garten: Schneegestöber, Skischuhe stehen leer in der Ecke. Symbolik oder Zufall? Schweizer Medien kreisen wie Geier um das letzte Interview, doch Ammann bleibt stumm. „Er will sich Zeit nehmen“, wiederholt Norcic wie einen Mantra.

Die Zahlen sprechen trotzdem: 22 Weltcupsiege, 104 Podestplätze, acht Olympiateilnahmen – so viele wie kein anderer Springer. Wenn diese Saison wirklich das Ende war, dann war Vikersund kein tragischer Absturz, sondern ein Lehrstück über Stolz. Wer sich vier Goldholmen an die Brust heftet, muss nicht um eine Standing Ovation betteln. Er zieht einfach die Schuhe aus.

Planica wird überleben. Die Massen trotzen ohne Ammann. Aber in der Nacht zum Samstag, wenn die Flutlichter die Schanze in Neon taucht, wird eine Lücke durch die Luft fliegen – 1,80 Meter breit, 65 Kilo leicht, mit Schweizer Pass und Flugbuch in der Tasche. Kein Showdown, nur Schweigen. Manchmal sagt Abwesenheit mehr als tausend Abschiedsworte.