Simic packt aus: wasser-könig, down-syndrom-papa, seriensieger
Er verteidigte einst für Inter und Milan, trank mit Ronaldo und tanzte mit Pippo Inzaghi – heute liefert Dario Simic Wasser an ganz Kroatien und erzählt, warum sein Sohn David sein größter Lehrmeister ist.
Der verrückte transfer, der nie stattfand
1996 saß der 21-jährige Zagreber bereits bei Juve-Boss Moggi am Tisch. „Ich hätte unterschrieben“, sagt er, „aber meine Familie fürchtete den Krieg. Also blieb ich.“ Statt Turin wurde es Mailand – mit Verspätung, aber umso spektakulärer. Drei Jahre später landete er beim Inter-Trainingslager in Malta, „neben Ronaldo, Seedorf, Zanetti“. Er schwankte zwischen Starstruck und Existenzangst: „Maniero traf gegen uns nach 20 Minuten, ich stand falsch. Dachte: Wenn hier jeder Zentimeter bestraft wird, kann ich direkt wieder zurück.“
Die Sudamericanos adoptierten den Kroaten sofort. „Wir haben gefeiert wie verrückt. Musik lief im Restaurant, später bei Zanetti zu Silvester – da war ich der Südamerikaner mit europäischem Pass.“

Champions-league-titel statt kaffeeklatsch
2003 und 2007 holte er mit Milan den Henkelpott. „Ancelotti war ein Visionär“, erinnert sich Simic. „Er setzte Pirlo vor die Abwehr – damals hieß das Wahnsinn, heute nennen es alle Kopie.“ Die Kabine war ein Runway: „Kaladze, Borriello, Pirlo – top gestylt. Die Brasilianer? Keine Kommentare.“ Inzaghi hingegen war der Magnet. „Alle zehn Minuten kam eine Fan-Frau. Er liebte es, wir lachten uns kaputt.“

22 Bars, 70 prozent wasser, 100 prozent familie
Nach 16 Profijahren wurde er Unternehmer. „Wir dominieren den Kroatischen Wassermarkt – 19-Liter-Ballons für Büros und Haushalte“, sagt er und lacht. „Wenn 70 % der Leute Leitungswasser trinken, sagt jeder: nur ein Verrückter investiert da. Ich bin eben verrückt.“ Dazu kommen 22 Bars, aufgeteilt mit seinem Bruder. Doch das ist nur Seite eins.

David, chromosom 21 und das glück in reinform
Sein jüngster Sohn David kam mit Down-Syndrom zur Welt. „Die Ärzte sagten es voraus, der Schock war trotzdem total.“ Zehn Jahre später sei David „ein kleiner Chef, der sich seine Cola klauen und seine Pizza bestellen kann“. Er geht zur Schule, hat Assistenz, spielt mit Papa Fußball. „Ohne ihn wüsste ich nicht, wie Liebe funktioniert, wenn man nicht rechnet“, sagt Simic. „Er macht keine Chromosom-Checks – er mag dich oder nicht. Punkt.“
Die drei älteren Söhne laufen inzwischen auf Europas Plätzen. Roko (19) spielte schon Champions-League, Viktor kickt in der Slowakei, Nikolas hat Talent, aber Knie-Probleme. „Nichts ist garantiert. Ich erzähle ihnen, dass Talent nur die Eintrittskarte ist – der Rest ist Kopf und Knochenarbeit.“

Warum er zamparini nie zähmte und heute lächelt
Als Berater in Palermo scheiterte er an einem Präsidenten, der „alle drei Spiele den Trainer feuerte“. „Ich sagte: So führt man keinen Klub. Er sagte: Mach du es besser. Ich ging.“ Heute sitzt Simic zwischen Wassertanks und Bar-Theken, blickt auf zwei Champions-Trophäen und vier Söhne – und weiß: „Ich habe alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Das Spiel ist längst vorbei, aber die Nachspielzeit ist der Hammer.“
