Simeone am rande der erschöpfung: atlético doch ins halbfinale!
Madrid tobte, doch am Spielfeldrand wirkte Atlético-Coach Diego Simeone nach dem nervenaufreibenden Viertelfinal-Duell gegen den FC Barcelona erschöpft, fast schon verloren. Trotz einer knappen Niederlage im Rückspiel (1:2) steht sein Team – dank eines deutlichen Hinspielerfolgs – im Halbfinale der Champions League. Ein Triumph, der den Argentinier sichtlich mitgerissen hat.
Die emotionen des „cholo“
Die 98 Spielminuten forderten ihren Tribut von Atlético, und Simeone schien jeden einzelnen Moment mitzuerleben. Seine Gesichtszüge verrieten Erleichterung, aber auch eine tiefe emotionale Erschöpfung. Es war ein seltenes Bild des sonst so explosiven Trainers, der sich nach dem Schlusspfiff kurz sammeln musste. Daniel Herzog, DAZN-Moderator, traf den Nagel auf den Kopf: „Auch im härtesten Hund steckt ein weicher Kern.“
Doch wie erreicht Simeone immer wieder diese unglaubliche Verbindung zu seinen Spielern und zum Publikum? Nils Petersen, ehemaliger Freiburg-Stürmer und heutiger Experte bei DAZN, lieferte die Antwort: „Er hat das Streichholz! Er weiß genau, wann er die Stimmung im Estadio Metropolitano anheizen muss. Das macht er brutal und das ist eine enorme Qualität.“ Petersen meint damit, dass Simeone ein untrügliches Gespür dafür besitzt, die ohrenbetäubende Unterstützung der Fans zu nutzen, um den Gegner zu demoralisieren und die Schiedsrichter zu beeinflussen. Eine Taktik, die sich bewährt hat und anscheinend noch lange nicht an ihre Grenzen stößt.
Simeones Einfluss reicht weit über das Spielfeld hinaus. Der 55-Jährige ist seit 2011 in Madrid und hat die Colchoneros geprägt wie kaum ein anderer. „Ich bin seit 14 Jahren hier und fühle mich immer noch emotional… Ich habe meinen Spielern gesagt: Danke“, gestand Simeone sichtlich gerührt nach dem Spiel.

Petersen traut atlético den finaleinzug zu
Zwei Europa-League-Titel und eine spanische Meisterschaft sprechen für sich. Petersen ist überzeugt, dass Atlético auch in diesem Jahr ein Wörtchen um den Champions-League-Titel mitreden kann: „Egal, ob sie auf Arsenal oder Sporting treffen – mein Bauchgefühl sagt mir, dass sie ins Finale kommen. Sie sind eine K.o.-Mannschaft.“ Die Arbeit gegen den Ball, die Mentalität und die Fähigkeit, nach einem Rückstand wie dem gegen Barcelona wieder zurückzukommen, beeindrucken den ehemaligen Bundesliga-Profi. „Diese Effizienz, mit der sie Barcelona ausgeschaltet haben, macht Atlético so stark und unangenehm.“
Im Halbfinale wartet nun entweder Arsenal oder Sporting Lissabon. Das Hinspiel zwischen Arsenal und Sporting endete mit 1:0 für die Londoner. Doch Atlético hat bereits bewiesen, dass es auch in der schwierigsten Situation bestehen kann. Die Reise des „Cholo“ und seiner Mannschaft geht weiter – und die Gegner sollten sich besser hüten.
